Ahleuchatistas – Of The Body Prone

Dem Math-Rock wurden schon länger nicht mehr die Wurzeln gezogen. Eine sterile Zange lässt ihren Frust in den Kiefern der Welt raus. Eine professionelle Zahnreinigung gehört zur Avantgarde. Ein Genre, das schon länger brach liegt erfährt eine Wiederauferstehung, ohne sich dabei unbedingt in den Mittelpunkt zu stellen. Ohne Betäubung werden Niere und Leber entfernt. „Wenn Sie schon mal da sind!“. Nur Spezialisten dürfen sich die Arme bis zum Ellenbogen waschen und in Gummihandschuhe schlüpfen. Die Ahleuchatistas sind Experten.
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John Zorn – O'o

Zorn tut es schon wieder. Sein Schaffensdrang ist unermüdlich. Nach “Alhambra Love Songs” nun also wieder ein Schmuseding mit neuen Werken. Das Thema “Soundtrack” scheint für dieses Jahr erstmal vom Tisch zu sein. Obwohl man weiß ja nie, was bei Zorn noch so auf dem Notenblock steht. Seine Allstarmusiker sind selbstredend wieder mit an Bord. „John Zorn – O'o“ weiterlesen

John Zorn – Alhambra Love Songs

Versalzen ist hier nichts. Und trotzdem scheint Zorn bis über beide Ohren verliebt.Der Ausnahmekomponist, mit Hang zu Workaholism, herzt und bauchpinselt seine Lieben. “Alhambra Love Songs” ist süß aber nicht klebrig. Zorns Musiker Rob Burger, Greg Cohen und Ben Perowsky säuseln und geben Kusshand. Piano, Bass und Drums. Wahre Liebe benötigt meistens nicht mehr.
Böse Zungen behaupten, dass sich Zorn nun in den Chill-Out-Areas New Yorks verirrt hat. Doch würden Easy Listening-Schandtäter dem Bösewicht Mike Patton einen Song widmen? „John Zorn – Alhambra Love Songs“ weiterlesen

John Zorn – El General

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Die Entstehungsgeschichte zum 23. Soundtrack Zorns scheint spannender zu sein als der dazugehörige Dokumentarfilm.
Natalia Almada, eine enge Freundin von Marc Ribot, der seines Zeichens zum “inner circle” Zorns zählt, benötigte noch dringend musikalische Untermalung für ihren Film “El General”. Dieser erzählt die Geschichte von Plutarco Elias Calles, dem Urgroßvater Almadas und Diktator Mexikos in den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts.
Zorn lehnte nach ersten Gesprächen ab, da er sich nicht für den richtigen, passenden Komponisten hielt. Nach einigem Hin und Her und vielen Bitten seitens Ribots, schrieb Zorn so viel Musik, daß er gleich zwei Filme hätte bedienen können. Zorn wollte sich nicht einschränken lassen und vergaß daher all die Einwände Almadas, jede Art mexikanischen Einflusses, keine Mariachi oder ähnliches, außen vor zu lassen.
An nur einem Tag nahmen Marc Ribot, Kenny Wollesen, Rob Burger und Greg Cohen ihre Session auf. Eine farbenfrohe, dramatische, mit rhythmischem Drive angelegte Schönheit entstand. Ribot glänzte wie schon so oft mit atemberaubendem Gitarrenspiel. Glücklich fielen sich die Musiker am Ende des Tages in die Arme.
Der Film wurde fertig gestellt, doch nur drei Stücke schafften es in den Film. Natalia Almada hatte hinterrücks noch einen anderen Komponisten beauftragt. Zorn wusste wohl warum er dem Projekt von Anfang an kritisch gegenüber stand. Doch wir Musikliebhaber dürfen elf wunderbare Stücke genießen und freuen uns auf “The Dreamers Vol.2”. Darauf gibt es dann den Rest zu hören.
In Vorfreude…
Erschienen bei Tzadik