Dum Dum Girls – I Will Be

Der Krach macht dich wahnsinnig. Die Autos rasen und der Staub macht dir einen Frosch im Hals. Du rotzt grüne Eumel auf die Straße. Zwischen den Mülltonnen liegen alte Teenie-Magazine. Jeder Style-Tipp ist dir bekannt. Auch die Tipps der Sexberater klingen für dich nicht provinziell. Deine Lederjacke ist verdreckt, Tabakreste krümeln sich aus den Taschen. „Dum Dum Girls – I Will Be“ weiterlesen

Wetdog – Frauhaus!

Wenn Mädels in die Garage gehen, dann nicht um sich unter alte Karren zu legen. Heutzutage werfen sie ihre Schrott-Amps an und trinken heimlich Papas Biervorräte. In London sind Garagen der neue Investmentfond. Früher wurde Taschengeld noch in die Pubs getragen, doch die Garagenmieten sind so enorm angestiegen, dass man befürchten muss, die urigen kleinen Sauflokale werden über kurz oder lang schließen. “Punk ist tot”, sprach der Freizeit-Punk, doch kleine Enklaven kämpfen um Aufmerksamkeit. „Wetdog – Frauhaus!“ weiterlesen

The Slits – Trapped Animal

Das „Oben Ohne“- Cover der Slits liegt schon Jahrzehnte zurück. Damals ging ein Aufschrei durch Englands Königreich. Die Punkikonen wirbelten durch das Musikbiz und hinterließen offene Münder. Ihre Mischung aus Punk und Reggae feierte das Aufbegehren der Jugend. Die Sex Pistols zogen sich lustige Klamotten an und Johnny Rotten spuckte Gift und Galle. Natürlich wollten auch die Frauen mitspielen und gründeten eigene Bands. Joe Strummers Freundin Paloma und Arianne hielten die Mädelsfahne am Höchsten. Was die Jungs können, können wir schon lange. „The Slits – Trapped Animal“ weiterlesen

Klassiker: The Shaggs – Philosophy Of The World

Auf wunderbare Weise rumpelten und tönten sich die Shaggs durch ihre Luftschlösser. Diletantismus auf aller höchstem Niveau.
Die Wiggin-Schwestern nahmen 1969 ein Album auf, das noch heute Maßstäbe setzt. Das Trio, das später noch durch eine weitere Schwester am Bass ergänzt wurde, lebte den Traum vom Popstardasein in Reinkultur. Von Vater Austin, einer Eiskunstlaufmutti gleich, getrimmt, probten sich die Schwestern durch ihre Nachmittage. Keiner riet ihnen ab und Austin pumpte seine letzten Dollar in erste Aufnahmen.
Die Mädchen von nebenan kämpften sich durch dreizehn von Herman’s Hermits, Ricky Nelson und den Monkees beeinflusste Kompositionen. Als die Takes im Kasten waren schlug ein Bekannter Austins vor Platten pressen und vertreiben zu lassen. Natürlich musste der Vater wieder in Vorleistung treten. Tausend Kopien wurden angeblich angefertigt und 900 davon verschwanden auf unerklärliche Weise. Auch von Kumpel Chris Dreyer war keine Spur mehr zu finden.
Übers Ohr gehauen und mit den hundert Platten in der Garage war der Traum kurz ausgeträumt. Trotzdem wurden einige Kopien an Radiostationen verschickt. Doch der große Erfolg blieb natürlich aus.
Einige Tanzabende in der Fremont Town Hall wurden als Quartett über die Bühne gebracht. Sechs Jahre nach den Aufnahmen starb Vater Austin und die Wiggin-Schwestern spielten nie mehr zusammen. Wir wiederum erfreuen uns an den schiefen Tönen, an der besten Drummerin der Welt und vielen gruseligen Mini-Hits.
Pflichtkauf für Musiklehrer und deren Hasser.
Erschienen bei RCA Victor