Scott Walker – Bish Bosch

Scott Walker ist im Mittelalter angekommen. Er setzt seine Choräle ungefragt in Szene. Ist er ein Minne? Da scheppert mal ein Industrial-Beat als Standbild über die Bildfläche, mal gibt es ein Gitarrenriff aus der Danzig/Satan-Ecke. Der Mond wird angeheult. Scott Walker lässt jede Hostie hart werden. „Scott Walker – Bish Bosch“ weiterlesen

Jeremy Jay – Dream Diary

Jeremy Jay ist ein Träumer. Das war er immer schon. 2007 ging sein Stern am Himmel auf. Eine Instrumentalplatte im Geiste machte den Anfang, seither sind einige Platten mit angedeutetem Gesang nachgeschoben worden. Jeremy Jay wird immer erwachsener. Altklüger, um die Wahrheit zu sagen. „Jeremy Jay – Dream Diary“ weiterlesen

The Divine Comedy – Bang Goes The Knighthood

Nostalgie durchwühlt dein Haar. Der Zylinder sitzt schon lange nicht mehr gerade auf deinem Haupt. Die Dramatik lässt dir wenige Ausflugsmöglichkeiten. Das Varieté wäre eine Möglichkeit, die zugerauchte kleine Kaschemme am Ende der Stadt oder doch der Flohzirkus? Neil Hannon ist der Zampano, der Gaukler, der Mann am Tresen, der dir ungefragt nachschenkt. „The Divine Comedy – Bang Goes The Knighthood“ weiterlesen

Owen Pallett – Heartland

Der Violinenkasten ist mit unzähligen Aufklebern beklebt. Das die Fluggesellschaften auch immer so resistente Dinger nehmen müssen. Wie oft wohl schon Owen Pallett an diversen Flughäfen dieser Welt an der Sperrgutausgabe stand und schwitzend und trippelnd auf sein Schätzchen gewartet hat? Das man auch immer sein liebstes Stück nicht mit in den Flieger nehmen darf. Doch bis jetzt ist immer alles gut gegangen. Nach ausgiebigen Touren mit Arcade Fire und den Hidden Cameras war es an der Zeit, auch mal was für das eigene Gemüt zu tun. Die Welt war bereit für große Arrangements und Geschichten aus Traumländern. Nimm uns mit ins Abenteuerland.
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Patrick Wolf – The Bachelor

“Der kleine Patrick hat sich auf dem Mittelaltermarkt verlaufen. Er möchte bitte von seinen Eltern, in der Nähe der Zugbrücke abgeholt werden.” Doch seine Eltern sind schon mit der Kutsche weiter gezogen. Mach doch einen Song draus! Der Blondschopf hat nur seine Geige im Rucksack. Uncooler geht es nicht. Er selbst nennt sich Prinz. Pop-Prinz mit bisexueller Neigung. Wenn’s schön macht?
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Klassiker: Deep Purple – The Book of Taliesyn

Bevor Deep Purple begannen ihre Sänger zu wechseln wie der Knappe das rostige Kettenhemd und sie infolgedessen in den Untiefen des Hardrock Leck schlugen, experimentierte die Band mit Psychedelic, Pop und Folk. 1968 erschien ihr zweites Album “The Book of Taliesyn“. Da sang noch Rod Evans. Ein Mann, der in eine Liga mit Scott Walker und Tom Jones gehört. Er brachte mit seinem knödeligen Pathos einen der charakteristischen Eckpfeiler des Deep-Purple-Sounds jener Tage ein.
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Bat For Lashes – Two Suns


Der Fünfuhrtee ist schön durchgezogen. Die Salt-&-Vinegar-Chips liegen griffbereit. Gut, Kate Bush sollte noch angerufen werden, um sie nach unehelichen Kindern zu befragen. Sonst ist soweit alles angerichtet. Natasha Khan, das elfenhafte Wesen mit Hang zur Zauberwaldmystik, hat elf neue Räucherstäbchen angezündet. Frische, feuchte, moosbedeckte Ufer werden beschritten und doch klingt diese Stimme wie für Retroshows gemixt. All der Hall der 80er Jahre benebelt die kristallklaren Songs. Kühle und Distanz werden zu neuer britischen Humorlosigkeit.
Bat For Lashes alias Natasha Khan verzaubert jeden Zufallshörer sofort mit ihrer Dringlichkeit und Verwünschungsdramatik. Desweilen denkt man Cat Power hätte ihre Ohren angespitzt oder Björk wäre in einen Geysir geplumpst, doch so märchenhaft schafft es nur Khan. Scott Walker taucht am Ende sogar auf und schnulzt einige Zeilen, so als wäre Antony niemals aus der Off-Theaterszene weg gewesen. Für alle Synthieklangfanatiker und Prinzessinen mit Feenflügeln oder einfacher gesagt: Für alle Popmusikliebhaber!
Mist, jetzt ist der Tee kalt geworden. Gleich kommen Freundinnen vorbei und legen Tarotkarten. Na, dann…