Antony and the Johnsons – Thank You for Your Love

Was hat sich bei Antony getan? Mmmmh…! Nicht viel. Antony schluchzt sich auch auf seiner Vorab-EP durch die Songs. Die Bläser in “Thank You for Your Love” hüpfen fast sommerlich durch den Garten. Ja, das könnte neu sein! „Antony and the Johnsons – Thank You for Your Love“ weiterlesen

Max Richter – Infra

Überreife. Ermattung. Gestern und vorgestern. Ein Rest. Der besteht meistens aus vielen Teilen. Doch das entdecken wir immer zu spät. Ein Hauch. Vier Winde aus vielen Richtungen. Oder viel Wind aus vier Richtungen. Schwindel. Alles dreht sich. Etwas entschwindet. Ein Strudel.
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Wolfgang Voigt – Freiland Klaviermusik

Ein Klavier ist ein Klavier ist ein Klavier. Ein Hammerklavier. Ein musikalischer Begriff liegt auf dem Silbertablett zum Zwecke der Neuuntersuchung seiner Eigenschaften und all der Rollen, die ihm zugewiesen wurden. Das Instrument befindet sich in Großaufnahme und während die Operationsscheinwerfer hochfahren, wird die Wahrnehmung seiner Qualitäten allmählich ins Ungewohnte geshiftet.
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Rufus Wainwright – All Days Are Nights: Songs For Lulu

Rufus Wainwright hätte sich zurücklehnen können, um in aller Ruhe ein neues pompöses Meisterwerk aufzunehmen oder sich die Fingernägel stutzen zu lassen. Doch der Wunsch sich einfach ans Klavier zu setzen und zu spielen war größer. All der Glam und der Strass der vergangenen Jahre liegen nun auf Eis. Rufus geht zu den Wurzeln zurück, dorthin, wo nur ein Instrument ausreichte, die Stimme des Sängers zu begleiten. Keine Pauken und Trompeten für ein rosa Lebensgefühl. „Rufus Wainwright – All Days Are Nights: Songs For Lulu“ weiterlesen

Rufus Wainwright – Milwaukee At Last !!!

Rufus betritt die Bühne. Der Applaus schallt ihm entgegen. Er nimmt das Mikro vom Piano, wirft den Schopf in den Nacken, schließt die Augen und erhebt seine Stimme. Das Publikum ist vom allerersten bis zum letzten Ton gefangen. Der Meister hat sich die Zuschauer einfach genommen. Fragen brauchte er nicht. Sie waren schon willig angereist. Perfekt! „Rufus Wainwright – Milwaukee At Last !!!“ weiterlesen

Christian Naujoks – Untitled

Mitte März schon erschien beim Hamburger Label Dial, das sich unter anderem durch Veröffentlichungen von Lawrence und Pantha Du Prince hervorgetan hat, das Debutalbum “Untitled” von Christian Naujoks. Darauf finden wir 32 Minuten Reduktion und Präzision, Kalkül und Bescheidenheit. So sehr beim ersten Hören die stilistischen Sollbruchstellen des Albums irritieren, so wird bei jedem weiteren Hören um so klarer, dass gerade diese alles ins Lot bringen, die Stabilität dieses Albums ausmachen.
Im Vordergrund steht zunächst ein ganz in der Tradition des 20. Jhds. stehendes Klavierspiel. Einsilbig und kühl kommt dieses daher, mit Hall und gemessenen Pausen. Hier und da werden ihm sparsam Begleiter mit auf den Weg gegeben, bei “Maladies” ist es eine Marimba, bei “Two Epilogues: No1/2” dürfen Flöte und gezupfte Streicher variieren.
Dann der Bruch: Eine betörende, fast zu sanfte Coverversion von New Orders “Leave Me Alone” lässt als erstes gesungenes Stück in aller Gemessenheit die Sonne aufgehen. Für sich allein stehend würde dieser Song zu sehr nach matt glänzender Melancholie heischen. Das hätte man dann doch eher einem Ekkehard Ehlers mit März überlassen. Aber so in seinem Albumzusammenhang wirkt es beim Weiterhören nicht nur nicht mehr wie ein fremdelnder Bruch ins zu Sentimentale, sondern wird zu einem der kontrastierenden Eckpfeiler einer Klangarchitektur, die Raum schafft für eine umfassende minimalistische Klarheit, die im weiteren Verlauf noch leicht rhythmisierend verdichtet wird.
Diese Ästhetik erreicht am Ende des Albums ihren Kulminationspunkt. Dann nämlich, wenn sich Naujoks mit einem weiteren Kontrast, dem der Verzerrung und der tatkräftigen Mithilfe von Dylans “It’s All Over Now, Baby Blue” von jeglicher Anmaßung an Kitsch befreit, ein letzter Ballast abgeworfen wird.
Hörbeispiele gibt es hier: