Lydia Lunch Live Hamburg, Kampnagel 22.08.2013

Lydia Lunch beweist immer noch, dass sie die Grande Dame des Punk ist. „Lydia Lunch Live Hamburg, Kampnagel 22.08.2013“ weiterlesen

Chelsea Light Moving – Chelsea Light Moving

Ohne Lee Ranaldo oder Jim O’Rourke oder Kim Gordon klingt der Rockversuch des Thurston Moore wie ein Ausbruch aus der Zeit der Tantiemen. Natürlich verzerrt sich die Gitarre gerne. Natürlich werden Riffs ins Meer geworfen, die so nicht immer auf dem Papier standen. Natürlich klingt der Sänger Thurston Moore immer noch wie die Kinderwurst auf dem Brot eines J Mascis. „Chelsea Light Moving – Chelsea Light Moving“ weiterlesen

Projektpräsentation: Reverse Karaoke – Düsseldorf 28.04.2009


Am vergangenen Dienstag lud die Kunsthalle Düsseldorf zur Präsentation der Arbeit “Reverse Karaoke” von Kim Gordon und Jutta Koether in den angeschlossenen Ausstellungsraum KIT/Kunst im Tunnel ein. Während der am 31. Januar eröffneten Ausstellung “SONIC YOUTH etc. : SENSATIONAL FIX” bestand für interessierte Besucher die Möglichkeit nach Voranmeldung in dem eigens dafür eingerichteten Reverse-Karaoke-Zelt im KIT zu einem Vocaltrack von Kim Gordon mit einem Instrumentenset, bestehend aus Schlagzeug, Bass und Gitarre, zu improvisieren. Auf diese Art und Weise konnte jeder seine persöniche musikalische Begegnung mit Kim Gordons Stimme erleben. Dazu gab es technische Betreuung sowie eine CD-Aufnahme.
Wer nun erwartet hatte eine ernsthafte mithin um Vollständigkeit bemühte Einsicht in ein ungewöhnliches Musikprojekt zu bekommen, sah sich getäuscht.
Eine am Rand der Ausstellung fast versteckte Videoübertragung mit bemerkenswert schlechtem Ton wurde nach wenigen Minuten kommentarlos wieder abgeschaltet. Statt dessen durfte sich der geneigte Besucher entweder mit einer ca. 20 Bilder umfassenden Diaschau in Endlosschleife begnügen, oder direkt ans kalte Buffet gehen. Modell: bruchstückhafte Partybespaßung. Dass keine weitergehend dokumentierenden Informationen über Teilnehmer und Resultate beigestellt wurden, überraschte dann kaum noch.
So bleibt am Ende einer wirklich guten Ausstellung über die Schnittstellen und Verflechtungen von Popkultur und zeitgenössischer bildender Kunst am Beispiel der Gruppe Sonic Youth und ihres Umfelds ein Beigeschmack. Die Ernsthaftigkeit der Arbeit eines Ausstellungshauses an einem modernen Thema brach an diesem Abend in sich zusammen. Sorry, Lolas!

Sonic Youth Live – Düsseldorf 24.04.2009

Anlass des Konzertes war die aktuelle Ausstellung “SONIC YOUTH etc.: SENSATIONAL FIX” in der Düsseldorfer Kunsthalle vom 31.01. bis 10.05.2009. Gewissermaßen als Dank für die Anerkennung schoben Sonic Youth am 24. April auf ihrer aktuellen Minitour eine Live-Sonderschicht im Düsseldorfer Beton-Club 3001 ein. Zur Verstärkung brachten Gordon, Moore, Ranaldo und Shelley an diesem Abend Mark Ibold von Pavement an der Bassgitarre mit auf die Bühne.
Der Club war mit 1200 Gästen ausverkauft, dennoch war die Stimmung seltsam verhalten, geradezu distanziert. Und die Distanziertheit beruhte merkwürdigerweise auf Gegenseitigkeit. Obwohl die Rahmenbedingungen stimmten, fehlte irgendwie die letzte Intensität und Hingabe auf Seiten von Band und Publikum. Wenn die Ansagen einsilbig waren, wurde schon verhältnismäßig viel gesagt. Wenn sich ein jubelndes Paar Arme in die Luft warf, dann blieb es meistens allein.
Nach dem dritten Stück z.B. entsteht eine kleine Pause, Thurston Moore wendet sich leicht vom Publikum ab und murmelt halblaut “Düsseldorf”. Gleichzeitig erscheinen auf dem Hinterbühnenscreen Impressionen aus einer Publikumsmenge. Moore hebt langsam den rechten Arm und winkt kurz die Menge im Video an. Das war’s, nächste Gitarre, nächste Stimmung, nächstes Stück. So blieb es insgesamt den ganzen Abend recht kühl, obwohl der Sound gut war, obwohl die illustrativen Videos klug ausgewählt waren (Bühnennebel nur auf der Leinwand!), obwohl die Backliner an den Dutzendgitarrenbatterien ihre brave Arbeit verrichteten und obwohl das Set mit zwei Zugabenblöcken ca. 85 Minuten umfasste und eine ausgewogene Retrospektive des Sonic-Youthschen Werkes abbildete. Es blieb dennoch die souverän, aber sachlich verwaltete Bestandsaufnahme eines großen Gitarrenwerkes.
Das einzige Stück, das mich dann doch noch mit seiner ganzen Schönheit erreichte, war auch schon die letzte Nummer des Abends. “Expressway to Yr. Skull” von einem der besten SY-Alben “Evol” – schneidend und weinend lief es in einen gut 10minütigen Instrumental-Epilog aus. Immer noch eine der charakteristischen Forschungsgebiete und Kernaussagen von Sonic Youth, Soundschichtungen, Noisewalls, Restbrummen, Dauerrückkopplungen, die sich Nuance um Nuance zu einander verschieben, aufschaukeln, wieder abklingen. Hätte für mich noch sehr viel länger so weiter gehen können, in Feedbacks. Schade. Ein wenig.