Discodeine – Discodeine

Hinter der roten Kordel sitzen die Very Important People. Sie schnuckeln an großen Vodkaflaschen. Von den Mädels kennt man keine, die Jungs hat man schon mal auf einer Finca gesehen. Die Disco ist voll und der Pöbel tanzt. Hinter den Reglern sind Benjamin Morando (Pentile) und Cédric Marszewski (Pilooski) aus Frankreich. Keine schlechte Wahl, dachte sich der Veranstalter. „Discodeine – Discodeine“ weiterlesen

Tony Christie – Made In Sheffield

Ab wann darf man von einem Klassiker sprechen? Muss das Album schon verstaubt, fast vergessen sein? Oder kann es auch nur ein Jahr auf dem Buckel, aber mit Verzögerung dein Herz erreicht haben und nun ist es für immer in deinen Gelenken und Fasern? Ich war immer schon ein Fan von Tony Christie. Dieses Outing an dieser Stelle fällt mir nicht schwer. Der Mann aus Sheffield hat diese Gabe, einfaches Liedgut zu veredeln. Seine Schmalzstimme gibt dir ständig eine Wahrhaftigkeit, die Schlager nur selten zu bieten hat. „Tony Christie – Made In Sheffield“ weiterlesen

Jeremy Jay – Splash

Der hagere Weltenbummler ist zurück und verteilt wieder Blumen. Jeremy Jay ist nun in Paris und in London heimisch. Los Angeles ist weit weg. Vielleicht sogar schon vergessen. Da kommt Neid auf. Seine Songs streifen immer noch den großen Glam-Pop und verlieren sich immer wieder gern in Gitarren-Hallräumen, wie es auch Pulp geliebt haben. Manchmal kommt der kleine Jarvis durch, doch Jeremy spielt nicht den Dandy. Er ist es irgendwie auch. „Jeremy Jay – Splash“ weiterlesen

Tripping The Light Fantastic – EP

Die Welt ist manchmal grau und böse. Menschen sind manchmal grau und böse. Hamburg ist manchmal grau und böse. Schubladen werden geöffnet, man steckt schnell die wichtigsten Utensilien hinein und wartet auf den Einbrecher, der mit seinen spitzen Fingern schon vor dem Haus wartet und das Kostbarste rauben möchte, das du besitzt. Manchmal sind es nur Kinkerlitzchen. „Tripping The Light Fantastic – EP“ weiterlesen

Charlotte Gainsbourg – IRM

Der Hauch des Liedhaften hatte einst identitätsstiftende Wirkung für ganze Kulturnationen, und das liederlich gehauchte, welches damals Legendenstatus errang, schien erst in seiner tonalen Ausdruckslosigkeit alles auszudrücken. Insofern mochte es ebenso folgerichtig wie behutsam sein, dass Charlotte Gainsbourg für ihr nach Jahren der erfolgreichen Schauspielerei drittes Album „5.55“  mit den eloquenten Pop-Erneuerern Air eine mehr als gelungene Zusammenarbeit erreichte. Denn in Air sieht der internationale Blick die Linie nicht nur der traditionell französischen Unterhaltungsmusik konsequent ins 21. Jahrhundert transformiert.
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Richard Hawley – Truelove's Gutter

Es zieht sich allmählich zu. Da braut sich wohl was Ordentliches zusammen und die ersten Minusgrade lassen dich schaudern. Schirme spannen sich in unfassbarer Schnelligkeit wie von selbst auf und bevölkern die Innenstädte. Pudelmützen und Daunendecken bringen Gemütlichkeit an die Kaufhauskassen. Der Sommer ist rum. „Richard Hawley – Truelove's Gutter“ weiterlesen

Jarvis Cocker – Further Complications

Die Krawatte sitzt ein bißchen lockerer. Vielleicht werden sogar die spitzen Chelsea-Boots bald durch klobige, nietenbesetzte Stiefel ersetzt. Jarvis Cocker, der Überdandy neuerdings in Paris zu Hause, lässt den Rocker raushängen. Glam- und Bluesrock infizierte Songs und lange, zuckrige Balladen, die nach einer Weile ungestüm aufgehen, wurschteln sich so durch. Produziert wurde das ganze von Steve Albini im Electrical Audio in Chicago.

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