Klassiker: The Shaggs – Philosophy Of The World

Auf wunderbare Weise rumpelten und tönten sich die Shaggs durch ihre Luftschlösser. Diletantismus auf aller höchstem Niveau.
Die Wiggin-Schwestern nahmen 1969 ein Album auf, das noch heute Maßstäbe setzt. Das Trio, das später noch durch eine weitere Schwester am Bass ergänzt wurde, lebte den Traum vom Popstardasein in Reinkultur. Von Vater Austin, einer Eiskunstlaufmutti gleich, getrimmt, probten sich die Schwestern durch ihre Nachmittage. Keiner riet ihnen ab und Austin pumpte seine letzten Dollar in erste Aufnahmen.
Die Mädchen von nebenan kämpften sich durch dreizehn von Herman’s Hermits, Ricky Nelson und den Monkees beeinflusste Kompositionen. Als die Takes im Kasten waren schlug ein Bekannter Austins vor Platten pressen und vertreiben zu lassen. Natürlich musste der Vater wieder in Vorleistung treten. Tausend Kopien wurden angeblich angefertigt und 900 davon verschwanden auf unerklärliche Weise. Auch von Kumpel Chris Dreyer war keine Spur mehr zu finden.
Übers Ohr gehauen und mit den hundert Platten in der Garage war der Traum kurz ausgeträumt. Trotzdem wurden einige Kopien an Radiostationen verschickt. Doch der große Erfolg blieb natürlich aus.
Einige Tanzabende in der Fremont Town Hall wurden als Quartett über die Bühne gebracht. Sechs Jahre nach den Aufnahmen starb Vater Austin und die Wiggin-Schwestern spielten nie mehr zusammen. Wir wiederum erfreuen uns an den schiefen Tönen, an der besten Drummerin der Welt und vielen gruseligen Mini-Hits.
Pflichtkauf für Musiklehrer und deren Hasser.
Erschienen bei RCA Victor