Klassiker: Firehose – "Ragin’, Full-On"

Der Wind hatte ihnen ein Lied erzählt, vom Leben in Amerika, und von dessen Vergänglichkeit. Und wie es geht, erwachsene Spielfreude, virtuos dargeboten, in die Form eines einfachen aber individualistischen Trios zu gießen ohne je in jazziges Muckertum abzugleiten. Und wie es funktionieren kann, leidenschaftlichen Ausdruck zu formulieren, und Gefühl ohne Kitsch. Und wie man es macht, sich nicht in panamerikanischer Massenkultur zu verlieren, und über all dem bescheiden zu bleiben und misstrauisch. Denn das Leben geht weiter, in Amerika. Und das ist schon sauer genug.
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Bibio – Ambivalence Avenue

Seit einigen Jahren schon ist das Label Warp nicht mehr nur für Elektronisches eine Institution sondern auch für retrospektive Überraschungen wie Neopsychedelic-Pop (Broadcast) oder Neofolk (Gravenhurst) geschätzt. Bisher blieben diese stilistischen Eskapaden weitgehend in sich konsistent. Bei Stephen Wilkinson alias Bibio ist das anders.
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Jim Ford – Big Mouth USA

Geheimtipp! Wer kennt Jim Ford? Finger hoch! Oh, da hinten in der Countryecke heben zaghaft zwei Vollbärte ihre Fingerchen. Respekt! Zehn Bier für die Männer vom Sägewerk! Zugegeben, mir war Ford auch bislang gänzlich unbekannt. Ein kürzlich erschienener Zeitungsbericht weckte mein Interesse. Eigentlich hätte dieses Album auch in Daniel Deckers “Not Available”-Kolumne gepasst. Doch wer zuerst kommt, ma(h)lt zuerst. Und meine Farben sind immer angerührt und der Pinsel griffbereit. „Jim Ford – Big Mouth USA“ weiterlesen

Bowerbirds – Upper Air

Streichel deine Instrumente! Sie begleiten dich ein Leben lang. Hol das Akkordeon aus dem Keller! Seefahrt war gestern. Handgemachte Musik übersteht jeden Puls der Zeit. Kuschel dich ein und sing ein kleines Lied für deine Kinder und all die lieben Menschen in deinem Dunstkreis. “You are already free.” Zweistimmig trällern macht einfach tierischen Spaß. Pärchen legen ihre Hände auf die Knie und blicken in den Himmel. Träumen kann so schön sein. Akkustische Instrumente untermalen deinen Lebensstil, der für andere sinnloses Hippiegeplänkel bedeutet. „Bowerbirds – Upper Air“ weiterlesen

Cass McCombs – Catacombs

Vorsichtig schiebt Cass McCombs den Vorhang zur Seite. Er schaut kurz mit beherztem Blick in die Runde und schwuppdiwupp ist er wieder verschwunden.
Der zurückhaltene Songpoet hat sich mal wieder in einem Studio eingeschlossen. Ein paar Jungs helfen an diversem Instrumentarium. Perfekt unperfekt kommt alles auf leisen Sohlen dahergetrippelt.
Unaufgeregte Songs mit tollen Texten und kleine Hits lockern zwischendurch das traurige Gesamtkonzept ein wenig auf. „Cass McCombs – Catacombs“ weiterlesen

Klassiker: Jason Molina – Pyramid Electric Co

Mit trockenem Mund, einer Gitarre und einem Piano ausgestattet torkelt Jason Molina durch die von ihm so geliebte Neil Young-Wüste. Als Erholung von seiner Hauptband Songs:Ohia, die zur Zeit unter dem Namen Magnolia Electric Co musiziert, nahm der Singer- Songwriter 2004 ein Manifest der Langsamkeit auf, das leider nicht viel Beachtung fand. “I want to be true like the solid earth.” Molina singt und winselt sich durch lange, düstere Songgebilde und zieht sich bis auf die Unterhose aus. Die wunderschöne Liveatmosphäre macht einem ständig eine Gänsehaut. “Hey sucker are you lonely?” Ein Kleinod unter den “lonesome cowboy releases” der letzten Jahre. “Pyramid Electric Co” ist unbequem und sentimental.
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Grizzly Bear – Veckatimest

Die Bären sind los! Im Wald werden riesige Fackeln entzündet und die Wege werden schnitzeljagdmäßig mit kleinen Stöcken gekennzeichnet. Rechts, links oder doch geradeaus?

Das Quartett aus Brooklyn meistert die Schwierigkeit des Ablieferns eines Nachfolgers des Opus “Yellow House” ohne mit der Fellmütze zu zucken. Das Schlagzeug bollert mehr als früher und es macht die Stücke griffiger. Die akustischen Gitarren liefern sich Pickingduelle und auch die Stimmen battlen sich zu Höchstleistungen. „Grizzly Bear – Veckatimest“ weiterlesen

Not Available: Van Morrison – Contractual Obligation Album

vanmorrison Wir müssen alle geil abliefern, oder zumindest abliefern. Auch Van Morrison muss abliefern. Auch er. Das scheiß Biz, also das Musikbusiness, war ja eh oft ein Thema für den ehemaligen Them Sänger. Mitte der 60er holte Bert Berns, Manager und Komponist des Them Klassikers “Here Comes The Night” oder auch “Hang On Sloopy” von den McCoys, den Iren nach New York und verhalf ihm zu einem Plattenvertrag bei seinem neu gegründeten Label Bang Records.
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