Balmorhea – Constellations

Wie eine Zartbitter-Schokolade legt sich „Constellations“ um deine Hüfte. Die Kalorienanzahl lässt dich schlucken. Nicht schon wieder dieser JoJo-Effekt. Doch du hast noch drei Tafeln. Was weg muss, muss weg. Niemand kann dir helfen. Dein Diätberater gibt gerade dein Geld aus. Du öffnest das dunkle Papier und riechst an dem braunen Brocken als wäre es Heroin. Balmorhea aus Austin nutzen jede Möglichkeit zur Pause. Sie schleichen um dich rum, wie die Aasgeier. Ruhe gehört zu ihrem Geschäft, genau wie Klassik und die Avantgarde. „Balmorhea – Constellations“ weiterlesen

Asmus Tietchens – Flächen mit Figuren

Ein Glimmen, ein schaler Hauch, wenig Bewegung. Manchmal weht ein leichtes Flackern vorüber, das sogleich vom Wind verwischt oder zu Größerem entfacht werden könnte. Hier und da ein Funkeln. Es zischelt dünn, sehr dünn. Vielleicht das verschmierte Quietschen eines bremsenden Zuges oder sind es die endlos ausgehöhlten Register eines archäologischen Orgelfundes? Jetzt schwillt es leicht an, oder nicht? Doch, da, eine vehemente Interaktion in unmittelbarer Nähe. Synthetische Formen werden hineingeworfen. Ein seltener Moment. „Asmus Tietchens – Flächen mit Figuren“ weiterlesen

Health – Get Color

Der Wattebausch im Mund verhindert allzu große Lautstärke. Jedes Winseln wird samtiger und luftdurchlässiger. Die Metalmähne wird zurecht gekämmt und der Bart gestutzt. Health kloppen sich durch ihre Version des Rock. Die Stimme von Jake Duzsik schrammelt immer an der My Bloody Valentine-Gartenparty vorbei. Experimentell und durch Techno beeinflusst, kriechen die Songs in deinen Körper. Von innen wirst du mit kleinen Nadeln malträtiert. Und der Beat mit Highspeed-Snare weist dir den Weg aus der Holzklasse. „Health – Get Color“ weiterlesen

Moritz von Oswald Trio – Vertical Ascent

Moritz von Oswald, bekannt durch Maurizio, Rhythm & Sound und Mitbegründer der Label Basic Channel und Chain Reaction, wendet sich in jüngster Zeit verstärkt neuen Projekten zu. Jetzt gibt er sich gemeinsam mit Vladislav Delay und Max Loderbauer als Trio die Ehre und verhandelt zwei seiner musikalischen Hauptaspekte neu: Dichte und Leichtigkeit. Das Moritz von Oswald Trio versucht sich an einem vage beschriebenen Experiment. Wie verändert sich der Klang in seiner Bewegung im offenen Raum? Und wie viele und wie dichte Rhythmuspatterns verträgt eine solche Versuchsanordnung?
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Klassiker: Brian Eno/David Byrne – My Life in the Bush of Ghosts

“My Life in the Bush of Ghosts” ist der Titel eines 1954 erschienenen Romans des nigerianischen Schriftstellers Amos Tutuola. Es ist die Geschichte einer langen Irrfahrt durch den afrikanischen Busch, der zur magischen Bühne einer mannigfaltigen Geisterwelt wird. Tutuolas zweites Buch ist in einer Umgangssprache geschrieben, die kein Vorbild kennt, in einer archaischen Erzählweise, die Regeln eines modernen, dem Realismus verpflichteten Romans missachtet.
“My Life in the Bush of Ghosts” ist auch der Titel eines Albums von Brian Eno und David Byrne. Als dieses 1981 erschien hatten die beiden, jeder für sich mit ihren Gruppen Roxy Music und Talking Heads – Eno auch solo – schon Wesentliches der vergangenen Musikdekade abgegehandelt. Rock, Glam, New Wave, und experimentelle Musik gehörten zu ihren bekannten Oevres. Ebenso verzeichneten die zu jener Zeit immer noch virulenten, aber schon etwas in die Jahre gekommenen Genres Punk und New Wave zunehmend nur noch graduelle Veränderungen. Syntiepop und New Romatic standen auf der Matte.
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Guido Möbius – Gebirge

Wucht. Durch eine Gletscherzunge gedrückte Attitüde. Experimentierfreude à gogo, dass es eine Frechheit ist. Hebel starker Kontrastierung wirken in etwas, das manchmal den Geist von Captain Beefhearts “Trout Mask Replica” wiederbelebt jedoch selbst viel moderner klingt. Eine aktuelle Überformung der Nachbildung, mit scheppernden Gitarrenakkorden und sehr freier Stimme. A-E-I-O-U-Ich-bin-Analphabet. Perfekt! Anfänger-Glücksmomente? Keineswegs. Guido Möbius ist ein versierter Artist. Alle Kompositionen auf “Gebirge” sind könnerhaft ohne dabei jemals besserwisserisch zu wirken.
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