Plaid – Scintilli

Andy Turner und Ed Handley ist es immer gelungen Melodien über große Bögen zu spannen. Und diese Spannung eindrucksvoll über ganze Alben zu halten. Vor allem diese großen harmonieunterfütterten Gesten waren es, die Plaid und vielleicht noch Orbital einen besonderen Rang im elektronischen Genre einnehmen ließen. Denn sie feierten mit ihrem Ansatz auch immer das Diktum des elektronischen Klangs überhaupt, ohne sich kleinmütig in Untergenres zu verfangen. Das mehrstimmig Ausgeführte in klanglich fast renaissancehafter Entrückung ist es, was uns an Plaid gern den Atem raubt.
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James Blake – James Blake

Die Hype-Maschine der internationalen Musikpresse läuft auf Hochtouren. Sie wirft mit allen Waffen ihrer Zunft um sich, schreibt von „sehnsüchtigen Erwartungen“ und „unumkehrbaren Innovationen”. James Blake wird das freuen, denn er sitzt auf seinem aquadynamisch optimierten Surfbrett ganz oben auf der Welle, die tsunamiartig über uns rollt. Währenddessen sinkt Justin Timberlake vor Ehrfurcht auf die Knie und Burial zündet eine Kerze an.
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Ratatat – LP4

Es wird viel über die Zunahme von Retro-Wellen und Retro-Moden, über ausuferndes Zitatentum, über Trost suchende eskapistische Rückbesinnung und postmoderne Endlosschleifen geklagt. Wir werden später noch erfahren, wohin uns das führt. Weiter als viele befürchten, allemal. Inzwischen warten alle auf das erste wirklich neue große Ding des 21. Jahrhunderts.
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Flying Lotus – Cosmogramma

Ein Reiter hinkt. Er sucht den Orthopäden und der Sattel bleibt im Stall. Die Nüstern des Pferdes blähen sich. Sind das die Anstrengungen selbst verordneter Einsamkeit? Die damit einhergehende stärkere Atmung bezeugt Aufregung, manchmal auch Ängstlichkeit. Der Gaul schnaubt. Er galoppiert über einen bunten Parcours gespickt mit zahlreichen gestreiften Hindernissen aus Tanzmusik, Orchestralem und Jazz. Tempo hoch, Nacken höher und weiter. Es lebe der Widerspruch!
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To Rococo Rot – Speculation

Nicht Yin, nicht Yang, nicht Gnade, nicht Ungnade, nicht Meer, nicht Wüste, nicht Sehne, nicht Korn, nicht Schicht, nicht dicht, nicht feminin, nicht maskulin, nicht hermaphroditisch, nicht apodiktisch, nicht atmend, nicht tot, nicht spielerisch, nicht wissenschaftlich, nicht politisierend, nicht spirituell, nicht untot, nicht affirmativ, nicht negativ, nicht provokativ, nicht kontemplativ, nicht von vorn, nicht von hinten, nicht angetrieben, nicht abgebremst, nicht Furche, nicht Tempel, nicht Tunnel, nicht Tal, nicht Alge, nicht Kollektiv, nicht Wolke, nicht Quarz, und schon gar nicht mal Quartz. Kaum Dispersion, zaghafte Statik, nicht Nichts. „To Rococo Rot – Speculation“ weiterlesen

Fenn O'Berg – In Stereo

Der Ursprung ist nicht mehr zu entziffern. Die Laptops werden warm und deine Augen zu kleinen Schlitzen. Fenn O’Berg tauchen nach acht Jahren mal wieder aus der Versenkung auf. Natürlich waren sie nie richtig weg, doch auf dem Schirm hatte man die Pioniere des Laptopverknüpfens wohl auch nicht ständig. Diesmal ging es nach Tokyo, wo Jim O’Rourke seit Jahren lebt und arbeitet. Die letzten Veröffentlichungen waren ja Live-Mitschnitte. Diesmal also ein Studioalbum, was mit der Tradition der Moderne kuppelt und sich phrasenstark “In Stereo” nennt. „Fenn O'Berg – In Stereo“ weiterlesen

Zola Jesus – Stridulum EP

Nika Roza Danilova hängt in den Seilen. Und das von der Decke. Wie eine Fledermaus kopfüber mit blaugewordenen Armen. Jeder Bondage-Liebhaber nestelt nach der Ritsch-Ratsch-Kamera, um diese Pose für das Kopfkino festzuhalten. Doch Nika duldet keinen Blitz und so muss auf gut Glück aus der Hand geschossen werden. Natürlich bei absoluter Dunkelheit. Zola Jesus, das Projekt der 20-Jährigen birgt alte Weisheiten. Eine theatralische Stimme mit Düsterbeats und elegische Noise-Eskapaden sind immer noch was für Schwarzseher und Kerzenwachs-Schlürfer. „Zola Jesus – Stridulum EP“ weiterlesen

Autechre – Oversteps

Der Weg ist langsam ansteigend und kurvig. Hoffentlich sind wir bald auf dem Gipfel angekommen. Oder können ihn zumindest schon sehen. Die Flanken des ersten Berges sind flach. Der Aufstieg erfordert ein wenig Geduld. Einen lange Blende scheint endlos in unbekannte Höhen zu führen. Alles brummt irgendwie glockig. Dann endlich lichtet sich das Dickicht ein wenig, Rhythmus setzt ein.
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