AI – AI

Wir gehen gern auf Reisen von beträchtlicher Dauer. Reisen, die geprägt sind von stilistischer Reinheit, von den großen Errungenschaften elektronischer Musik und von der Ästhetik vergangener Epochen. Wir essen Kosmos-Kost und trinken Kosmos-Most. Wir sind Long-Distance-Voyager mit dem Helm unter dem Arm und den Lippen am Vocoder. Ein silberner Stiefel wippt lässig im unmerklich anschwellenden Groove. Unser Mutterschiff ist die Düsseldorfer Formation AI. „AI – AI“ weiterlesen

Tropics – Rapture

Manchmal ist der Wunsch der Vater des Gedanken. Chris Ward sehnt sich nach Anerkennung. Sein Info-Zettelchen kloppt Namen wie Peter Gabriel, die Beach Boys oder Arthur Russell raus. Und was macht Chris? Er klingt wie ein müder George Michael, der, nach einer langen, geilen Nacht auf einer Rastplatz-Toilette, im Studio ihm unbekannte Lieder haucht. „Tropics – Rapture“ weiterlesen

Pet Shop Boys – Electric

Eine Frage zuerst: Können die Pet Shop Boys noch besser werden? Müssen sie etwas beweisen? Die Vorzeige-Popper tanzen im Olymp. Sie machen da weiter, wo andere sich zurücklehnen und ihr Geld verprassen. Lowe und Tennant wollen lieber Melodien raushauen; sie wollen wieder Disco mit allem Kitsch. Natürlich so futuristisch-retro wie möglich. „Pet Shop Boys – Electric“ weiterlesen

Efdemin – Chicago

„Weniger ist mehr“ behauptete einst Mies van der Rohe. Der einflussreiche Architekt, der mit zahlreichen Bauwerken das Bild Chicagos im Besonderen und des modernen Amerikas ganz allgemein entscheidend mit geprägt hat, bediente sich Zeit seines Lebens neuester Technologien. Er führte Stahl und Beton ein, um seine Konzepte einer klaren vom Unwesentlichen befreiten Struktur umzusetzen, deren Aufgabe es ist dem Menschen zu dienen.
„Efdemin – Chicago“ weiterlesen

Kelis – Flesh Tone

Kelis macht was, das man nicht erwartet hat. Sie geht den Popweg mit schielenden Augen, die ihr den Dancefloor in bunten, flirrenden Farben präsentieren. Dort, wo die Vollidioten mit Gin Tonics stehen und einen Blick auf ihre Hotpants erhaschen wollen und prollig ihre Polohemdkragen hochschlagen. Alte Kelis-Fans werden übel aufstoßen. Ist das noch unsere Kelis oder nur ein mieser Trick? „Kelis – Flesh Tone“ weiterlesen

LCD Soundsystem – This Is Happening

Dance-Punk. Was für ein bescheuerter Begriff. James Murphy schiebt nun zum letzten Mal ein Mischmonster durch den Lattenzaun. Nach drei Alben ist nun Schluss. Sollen doch die Anderen den alten Dreck weiter auffegen oder die Mammuts kommen zurück und covern sich selbst. „LCD Soundsystem – This Is Happening“ weiterlesen

We Have Band – WHB

Diese stumpfen Bürojobs nerven. Und die Kollegen erst. Plattenfirmenjobs sind das Schlimmste. Schülerbands fordern horrende Summen und nur Bloc Party bekommen die Lorbeeren. Da häng ich doch lieber im Proberaum rum und bringe Pfand zum Kiosk. „We Have Band – WHB“ weiterlesen

Redshape – The Dance Paradox

Wenn über elektronische 4tel-Figuren elektronische 8tel-Figuren gewissen Spannungsdramaturgien folgend und meist auch zu einander versetzt päckchenweise geschichtet wurden, nannte man das meist Techno; ein in den letzten Jahren weitgehend abgeschlossenes Kapitel, zumindest was Innovation angeht. Selbst Minimal-Techno wurde seit einiger Zeit nur noch Minimal genannt. Ein weiters Indiz für eine eingetretene Distanz zu diesem Genre. Doch Redshape steckt nach wie vor mitten drin. Er entwickelt für uns aus technoiden Baustoffen eine dunkle Bedrohungslage.
„Redshape – The Dance Paradox“ weiterlesen

Black Meteoric Star – Black Meteoric Star

Ein Synthesizer-Motiv im Zweiakkordschema, wie aus einer 80er-Jahre-Fernsehserie trifft auf verzerrte elektronische Rock-Drums. Gemeinsam scheinen sie unschlagbar. So gut wie keine Variation. Leider. Man könnte auch behaupten, dass es sehr mutig ist, sein Album mit einer so spröden Nummer zu beginnen. Immer diese modischen Attitüden.
„Black Meteoric Star – Black Meteoric Star“ weiterlesen

Bloody Mary – Black Pearl

Ostinat treibt ein stolzes Drum-Pattern seinen Weg durch die Wüste der Stille. Es ist einsam und der Weg wird lang. Mit der Zeit macht sich Ungeduld breit. Werden wir verdursten? Moment, es gibt Hoffnung; aus der Ferne wehen streicherähnliche Synthesizer weiche Akkordflächen herüber. Welch Labsal! Doch, so weich und unverhofft sie kamen, so schnell hat sie der Wind wieder fortgetragen.
„Bloody Mary – Black Pearl“ weiterlesen