Antony and the Johnsons – Cut the World

Es gibt sie diese Stimmen, die einen gefangen nehmen, einen auf den Boden drücken und Tränen in die Augen treiben lassen. Antony Hegarty gehört zu den Sängern, die es schaffen, einen in den Bann zu ziehen und zu faszinieren, ja fast zu verletzen oder wenigstens verletzlicher zu machen. Er ist vielleicht der größte/bedeutendste Torch Song-Interpret des letzten Jahrzehnts. Da wird es Zeit, diese Authentizität noch einmal unter Beweis zu stellen. „Antony and the Johnsons – Cut the World“ weiterlesen

Carletta Sue Kay – Incongruent

Auf den Konzerten konnte man ja schon die selbstgebrannten CDs kaufen. Zwei EPs und eine Vinyl-Single gab es zu erstehen. Nun hat das Warten endlich ein Ende und man darf das Debüt bewundern. „Carletta Sue Kay – Incongruent“ weiterlesen

James Blake – James Blake

Die Hype-Maschine der internationalen Musikpresse läuft auf Hochtouren. Sie wirft mit allen Waffen ihrer Zunft um sich, schreibt von „sehnsüchtigen Erwartungen“ und „unumkehrbaren Innovationen”. James Blake wird das freuen, denn er sitzt auf seinem aquadynamisch optimierten Surfbrett ganz oben auf der Welle, die tsunamiartig über uns rollt. Währenddessen sinkt Justin Timberlake vor Ehrfurcht auf die Knie und Burial zündet eine Kerze an.
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Hercules and Love Affair – Blue Songs

Der Landgang von Hercules and Love Affair ist nun beendet. Matrose Antony Hegarty war unterdessen ausgestiegen. Dafür ist nun Kele als blinder Passagier für den Ausflug in die Charts mit an Bord. Mit seinem Retro-Schiff geht Kapitän Andrew Butler wieder auf große Fahrt durch die Disco- und House-Meere dieser Welt. Aber was ist auf der Brücke los? Der Kompass ist kaputt und den Sextanten kann keiner bedienen.
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Antony and the Johnsons – Swanlights

Antony arbeitet mit Wucht. Seine Stimme gibt dir den Liebestrank, das Gift und die Tränen. Wie ein Vögelchen, das gerne ein Adler wäre, sitzt Antony auf dem Felsen der Avantgarde. Die Flügel sind von Tierquälern gestutzt worden und doch breitet Antony die Arme aus und versucht zu fliegen. Er fällt, doch genau das wollte Antony doch. Fallen. Um sich dann wieder selbst zu fangen. „Antony and the Johnsons – Swanlights“ weiterlesen

Antony and the Johnsons – Thank You for Your Love

Was hat sich bei Antony getan? Mmmmh…! Nicht viel. Antony schluchzt sich auch auf seiner Vorab-EP durch die Songs. Die Bläser in “Thank You for Your Love” hüpfen fast sommerlich durch den Garten. Ja, das könnte neu sein! „Antony and the Johnsons – Thank You for Your Love“ weiterlesen

Redhooker – Vespers

Die morgendlichen Sonnenstrahlen lassen dich noch hoffen, dass es ein schöner Tag wird. Der Kaffee duftet aus der Küche und das Eierwasser sprudelt. Du hast dir für heute morgen etwas Klassisches ausgesucht, dein Kimono ist offen und drunter trägt du einen See-Through-Slip. Du weißt wie es geht. Die neue Redhooker kommt auf leisen Sohlen daher, die klassischen Instrumente fliegen ohne großen Aufwand durch das morgendliche Zeitunglesen. „Redhooker – Vespers“ weiterlesen

CocoRosie – Grey Oceans

Die Casady-Schwestern sind zurück. Richtig vermisst hatte man sie ja nicht. Nun geht der große Spuk weiter. Wenn Joanna Newsom dieses Jahr was Neues rausbringt, will man nicht hinten anstehen. Verständlich, denn der Ansatz der drei Künstlerinnen ist ähnlich. Verschrobenheit, Puppengesichtästhetik und die große Harfe sind die Hausmittelchen, die die Szenegrößen täglich inhalieren. Jeder angeklebte Bart und jedes Ballonröckchen sind „instyle“-tauglich. Wenn man nur die Stimmen hören würde, wäre ein Unterschied nicht auszumachen. „CocoRosie – Grey Oceans“ weiterlesen

The Irrepressibles – Mirror Mirror

Das große Theater bricht über dich herein. Mit Schminke, Kostüm und Souffleuse wird Saurer Regen dargestellt. Der Sonnenkönig reicht dir sein Taschentuch und du wedelst ihm Luft zu. Schattenspieler krümmen sich zu Kellerasseln. Textsicher schlawinert Jamie McDermott über die Bühne. Mit dem Kajalstift malst du dir einen Punkt auf dein weiss geschminktes Gesicht. Dein Method-Acting-Coach redet von Übergewicht. „Doch, das gehört zur Rolle!“, versuchst du dich zu verteidigen. Das Clownskostüm hat nichts mit Ronald McDonald zu tun. Das Leben ist mehr als nur Cabaret. „The Irrepressibles – Mirror Mirror“ weiterlesen

Bat For Lashes – Two Suns


Der Fünfuhrtee ist schön durchgezogen. Die Salt-&-Vinegar-Chips liegen griffbereit. Gut, Kate Bush sollte noch angerufen werden, um sie nach unehelichen Kindern zu befragen. Sonst ist soweit alles angerichtet. Natasha Khan, das elfenhafte Wesen mit Hang zur Zauberwaldmystik, hat elf neue Räucherstäbchen angezündet. Frische, feuchte, moosbedeckte Ufer werden beschritten und doch klingt diese Stimme wie für Retroshows gemixt. All der Hall der 80er Jahre benebelt die kristallklaren Songs. Kühle und Distanz werden zu neuer britischen Humorlosigkeit.
Bat For Lashes alias Natasha Khan verzaubert jeden Zufallshörer sofort mit ihrer Dringlichkeit und Verwünschungsdramatik. Desweilen denkt man Cat Power hätte ihre Ohren angespitzt oder Björk wäre in einen Geysir geplumpst, doch so märchenhaft schafft es nur Khan. Scott Walker taucht am Ende sogar auf und schnulzt einige Zeilen, so als wäre Antony niemals aus der Off-Theaterszene weg gewesen. Für alle Synthieklangfanatiker und Prinzessinen mit Feenflügeln oder einfacher gesagt: Für alle Popmusikliebhaber!
Mist, jetzt ist der Tee kalt geworden. Gleich kommen Freundinnen vorbei und legen Tarotkarten. Na, dann…