Klassiker: Brian Eno/David Byrne – My Life in the Bush of Ghosts

“My Life in the Bush of Ghosts” ist der Titel eines 1954 erschienenen Romans des nigerianischen Schriftstellers Amos Tutuola. Es ist die Geschichte einer langen Irrfahrt durch den afrikanischen Busch, der zur magischen Bühne einer mannigfaltigen Geisterwelt wird. Tutuolas zweites Buch ist in einer Umgangssprache geschrieben, die kein Vorbild kennt, in einer archaischen Erzählweise, die Regeln eines modernen, dem Realismus verpflichteten Romans missachtet.
“My Life in the Bush of Ghosts” ist auch der Titel eines Albums von Brian Eno und David Byrne. Als dieses 1981 erschien hatten die beiden, jeder für sich mit ihren Gruppen Roxy Music und Talking Heads – Eno auch solo – schon Wesentliches der vergangenen Musikdekade abgegehandelt. Rock, Glam, New Wave, und experimentelle Musik gehörten zu ihren bekannten Oevres. Ebenso verzeichneten die zu jener Zeit immer noch virulenten, aber schon etwas in die Jahre gekommenen Genres Punk und New Wave zunehmend nur noch graduelle Veränderungen. Syntiepop und New Romatic standen auf der Matte.
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Klassiker: Rachel Sweet – B.A.B.Y. The Best Of Rachel Sweet

Kinderstars sind nicht zu beneiden. Sie kommen zu früh, zu viel rum. Die Schule wird nur noch für Aufführungen oder Autogrammstunden in der Aula aufgesucht. Wer Talent besitzt hat es nicht leicht… Als Rachel Sweet mit sechzehn bei Stiff Records unterschrieb, hatte sie schon eine zehnjährige Showbizerfahrung in den USA auf ihrem zarten Buckel. Die Countrycharts hatte sie bereits schon mal beschnuppert. Da bei Stiff nun die Talentglocken bimmelten, wurde dann der ganz große Durchbruch erhofft.
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Klassiker: Jason Molina – Pyramid Electric Co

Mit trockenem Mund, einer Gitarre und einem Piano ausgestattet torkelt Jason Molina durch die von ihm so geliebte Neil Young-Wüste. Als Erholung von seiner Hauptband Songs:Ohia, die zur Zeit unter dem Namen Magnolia Electric Co musiziert, nahm der Singer- Songwriter 2004 ein Manifest der Langsamkeit auf, das leider nicht viel Beachtung fand. “I want to be true like the solid earth.” Molina singt und winselt sich durch lange, düstere Songgebilde und zieht sich bis auf die Unterhose aus. Die wunderschöne Liveatmosphäre macht einem ständig eine Gänsehaut. “Hey sucker are you lonely?” Ein Kleinod unter den “lonesome cowboy releases” der letzten Jahre. “Pyramid Electric Co” ist unbequem und sentimental.
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Klassiker: The Shaggs – Philosophy Of The World

Auf wunderbare Weise rumpelten und tönten sich die Shaggs durch ihre Luftschlösser. Diletantismus auf aller höchstem Niveau.
Die Wiggin-Schwestern nahmen 1969 ein Album auf, das noch heute Maßstäbe setzt. Das Trio, das später noch durch eine weitere Schwester am Bass ergänzt wurde, lebte den Traum vom Popstardasein in Reinkultur. Von Vater Austin, einer Eiskunstlaufmutti gleich, getrimmt, probten sich die Schwestern durch ihre Nachmittage. Keiner riet ihnen ab und Austin pumpte seine letzten Dollar in erste Aufnahmen.
Die Mädchen von nebenan kämpften sich durch dreizehn von Herman’s Hermits, Ricky Nelson und den Monkees beeinflusste Kompositionen. Als die Takes im Kasten waren schlug ein Bekannter Austins vor Platten pressen und vertreiben zu lassen. Natürlich musste der Vater wieder in Vorleistung treten. Tausend Kopien wurden angeblich angefertigt und 900 davon verschwanden auf unerklärliche Weise. Auch von Kumpel Chris Dreyer war keine Spur mehr zu finden.
Übers Ohr gehauen und mit den hundert Platten in der Garage war der Traum kurz ausgeträumt. Trotzdem wurden einige Kopien an Radiostationen verschickt. Doch der große Erfolg blieb natürlich aus.
Einige Tanzabende in der Fremont Town Hall wurden als Quartett über die Bühne gebracht. Sechs Jahre nach den Aufnahmen starb Vater Austin und die Wiggin-Schwestern spielten nie mehr zusammen. Wir wiederum erfreuen uns an den schiefen Tönen, an der besten Drummerin der Welt und vielen gruseligen Mini-Hits.
Pflichtkauf für Musiklehrer und deren Hasser.
Erschienen bei RCA Victor