Marisa Monte – Coleção

Marisa Monte macht seit Jahrzehnten die saubere Weltmusik, die jede Mutti zum Kochen, jeder Vati zum Runterkochen und jeder Populist zum Schönreden der Favelas nutzt. Auch 2016 geht das wunderbar.
Marisa hat alles gemacht, jeden Titel abgeräumt, Arto Lindsay das Studio gezeigt und überhaupt vieles poptauglich geschraubt. Und genau aus diesen Gründen, war ich erst skeptisch. Ich hatte mehrere Phasen ihres Kataloges begleitet. Manchmal war ich wütend, dass sie ihr Talent an Produzenten verhökert, dann war ich wieder stolz, dass sie etwas wagt, dass sie ihre Seele auf der Zunge und in den Pickings trägt. Ich habe Abende verplempert und Menschen angestiftet, ihren Namen mit Gainsbourg zu verknüpfen.
Coleção ist ein tolles Album. Es verbindet die Arbeitsweise Montes mit ihrem Mut und ihrer Geschichte. Es wirkt fast altbacken. Namen wie David Byrne oder Devendra Banhart tuen nicht weh und machen ihren Job fantastisch aktuell. Aber das hört man so nicht.
Marisa Monte zaubert wieder. Sie hat keine Angst vor Kitsch. Sie ist einfach da. Sie weiß, dass Bossa Nova mehr als Tränen braucht. Selbst einem Fado haucht Monte nur so viel Pathos ein, um sich getouched zu fühlen und ihren Zuhörern das Gefühl eines Feelings zu geben. Oh Gott, das war live? Die Songs sind angeblich alle irgendwie alt und nirgendwo vorher so erschienen. Ja.Ja. Mir ganz egal, welcher Wein aus dem Rio São Francisco-Gebiet gereicht wird. Ich bin hier und höre genau jetzt dieses Album. Frau Monte ist die Meisterin. Ich wusste es bereits, hatte es aber verdrängt. Ich schäme mich.

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