Yoko Ono – Yes, I'm a witch too

Yoko-Ono-Alben hört man nicht im Fahrstuhl und nicht im Auto. Nicht im Supermarkt und auch nicht in der Disco. Aber an welchen Orten kann man denn den Klängen der Fluxus-Künstlerin lauschen? Sind es die heimische Badewanne oder der Ohrensessel?
Da macht es auch keinen Unterschied, ob wir ein Original-Album in den Händen halten oder ein Remix-Produkt, das man mit All-Star-Sternen beklebt. Ono schafft es zu polarisieren. Entweder du liebst oder du hasst sie. So war es immer schon, und irgendwie glaube ich, das wird so bleiben.
Auch das zweite Remix-Album, auf dem sich viele KünstlerInnen an Original-Material Onos heran trauen, ist ein Album voller Ideen, Genres und DaDa-GaGa. Da ist es eigentlich schnuppe, ob da nun der Sohnemann Sean oder die Sparks herumstochern. Alle behandeln Ono mit Ehrfurcht. Alle schauen auf den Kalender und wissen, dass es 2016 geläutet hat und alle sind mit Liebe bei der Sache. Kein Weg ist zu weit und kein Spaß zu stumpf.
So ist Yes, I’m a witch too ein typisches Ono-Paket. Ein Überraschungsei, das sich zwischen alle Stühle setzt und dein Badewasser zum blubbern bringt. Eben noch Avant-Rock, da eine Vocal-Spur zerfetzt und hier der Blick auf die Tanzfläche, die wohl um deinen Ohrensessel herum gebaut wurde. Mensch, das Bein zuckt. Du suchst die größte Sonnenbrille, die du finden kannst und schmeißt dein Klavier aus dem zweiten Oberstock. Wenn man Clash sagen möchte, dann darf man das in diesem Fall. Alles vermischt sich und man fragt sich, wie viel hat das mit dem Original zu tun oder gab es jemals eines?
Nicht alles funzt direkt, manches kommt so spleenig daher, dass man glaubt, hier hätte Ono selbst noch mal Hand angelegt und dennoch hat dieses Remix-Album eine Kraft, die zu berühren vermag. An allen Ecken und Kanten steht die Kunst auf gleicher Höhe mit dem Spaß. Und wer hätte gedacht, dass sich Miike Snow, Portugal the Man oder Peter, Bjorn und John im Backkatalog der Witch verirren?
Um noch einmal auf die Eingangsfrage zurückzukommen. Yoko-Ono-Alben gehören nicht auf eine Vernissage oder in den Keller. Ich höre Ono gerne tagsüber mit einem trockenen Roten im Wohnzimmer, denke über Madonna nach und kritzle Schnurrbärte auf Paul McCartney-Alben-Cover.

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