Jochen Distelmeyer – Songs From The Bottom Vol. 1

Eigentlich ist alles beim Alten geblieben. Es war bei Old Nobody so, beim Apfelmann und bei Otis. Die Musikpolizei schreit ihren Unmut heraus, alte Fans verlassen das Boot und neue Menschen, die den Namen Distelmeyer nicht so vorsichtig hüsteln wie die alten Ich-Maschinen, kommen hinzu.
Songs From The Bottom Vol. 1 ist angeblich ein Album für die Fans, die auf der Lesereise in den Genuss einiger Coverversionen kamen, die vielleicht nur zur Auflockerung in den Abend gepflanzt wurden, denn die Menschen hätten Jochen ja nicht von der Bühne gelassen, ohne mindestens einmal seine Singstimme gehört zu haben und nun das Gefühl nicht los lässt, das Erlebte auch auf Tonträger einzufordern und zu besitzen.
Distelmeyer, Mann des Volkes, gibt dem Pöbel, was er verdient. Und er macht es charmant. Seine Stimme ist wohl noch nie so präsent gewesen. Er biedert sich nicht an. Er übertreibt es nicht und er ist ungewohnt stilsicher. Früher wäre da vielleicht etwas komischer Humor hinzu gekommen. Nicht alle Songs funktionieren auf Anhieb. Okay. Man hat ja Zeit bis zur nächsten VÖ. Gerade die Radiohead-Nummer ist nicht ganz für eine Akkustik-Version geschaffen, aber auch das fällt nicht ins Gewicht.
Ich höre Jochen gerne zu. Er pickt seine Gitarre schön. Er versucht erst gar nicht englisch oder amerikanisch zu klingen, sondern singt die Sachen locker runter. Songs From The Bottom Vol. 1 ist ein weiteres Stückchen Unangepasstheit eines Popmusikers, den alle irgendwie in eine Ecke stellen wollen und der einfach das macht, was ihm Laune bereitet. Distelmeyer sonnt sich zwischen Radio-Jingles und Themenabend, zwischen Latte-Muttis und Generation X-lern oder Systemkritikern und Ex-Hamburger-Ganztagsschulen und fühlt sich pudelwohl. Ich gönne es ihm.

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