Julia Holter – Have You In My Wilderness

Wie viel Cole M. Greif-Neill im neuen Album der Ausnahmekomponistin Julia Holter steckt, wage ich nicht zu bemessen, denn die Produktion ähnelt dann doch eher der Frühphase der holterschen Karriere.
Holter schaut zurück, sie wird tragisch, spirituell und poppig. Vielleicht ist es ja der poppige Beginn, den Cole M. Greif-Neill gefördert und heraus gekitzelt hat. Die wunderbare Single Feel You und das schunkelige Silhouette sind warme Strahlen in kalter Halle. Holter umarmt sich selbst, gibt ihrer Stimme das elfenhafte Backing, das immer zwischen Elizabeth Fraser und liebestrunkener Nymphe hin- und her switcht.
Akustische und elektronische Instrumente tauchen in großen Räumen auf, scheppern, tirilieren und dramatisieren sich in gefühlige Welten, die Worte wie Urlaub gruselig erscheinen lassen.
Holter macht da weiter, wo sie aufgehört hat. Sie schiebt schiefe Töne zwischen den Schönklang, sie versucht die Avantgarde zu verpoppen, ohne verkopft zu wirken. Mal pfeift sie ein Solo, das dann von einem Saxophon platt gemacht wird. Ihr Lucy In The Sky With Diamonds heißt Lucette Stranded On The Island.
Und ich muss mal ein Wörtchen mit Julia sprechen. Wenn sie schon ihrem Edelfan Zloty Vazquez einen Song widmet, warum schreibt sie dann seinen Namen falsch? Verziehen. Ich bin nach wie vor ein großer Fan. Ich liebe diese Melodien, diese Schwerelosigkeit, diesen Pomp und den Versuch uralt zu klingen, obwohl da draußen alles blinkt und knallt. Man sucht sich wieder die alte Hundedecke aus dem Schrank und wechselt von Weiß- auf Rotwein. Jahrescharts! Wie immer.

Julia Holter – Feel You (Official Video) von domino

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