Potato Fritz – Asbest of

Mal sägt die Gitarre offenakkordig zwei Scheiben Metall aus einem Haufen Schrott, mal schenkt sie uns aber auch eine Melodie, die so breitbeinig den Noise-Rock dengelt, der früher sogar mal im Musikfernsehen eigene Shows hatte. Man verwurstet dann alles mit dem Rest aus Schlagzeug und Bass zu Brettern, die keine gute Welt bedeuten und erklimmt sie schwankend, aber mit Non­cha­lance und Drive.
Potato Fritz aus Hamburg machen den ganzen Quatsch jetzt schon zwanzig Jahre. Man hört und liest anderswo von kantiger Musik, die poltert und matscht. Ja, mag sein. Aber wenn man mal genauer hinhört und vielleicht sogar die Anlage nicht bis zum Anschlag aufdreht, dann hört man fast melodiöse Anwandlungen, die natürlich, immer dann, wenn es zu schön werden sollte, in den Arsch getreten werden. Die Power macht die Musik. Schon klar. Ein Riff für deine Gedanken.
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Mini-Hits zerbrechen am Himmel. Eine Halbtonverschiebung muss als Refrain reichen. Dennoch reißt man die Fäuste in die Nacht und man spielt lieber wieder Luftgitarre und ballert ‘ne Cola-Rum. Fett ist Rock immer dann, wenn er keine Gefangenen macht oder unbekümmert strahlt. Potato Fritz erschaffen eine eigene Attitude, die so lässig fehlerhaft ist, schwankt, aber niemals fällt oder zerschellt. Noise für den Kumpel und die Kumpeline aus der Vinylschatzkammer der Amphetamine Reptile Records.
Kroschewski grölt wütend und mit Zynismus gespickt seine Alltagsallgemeinplätze für den hechelnden Underground runter. Manches wird verschluckt oder wird es gar geschluckt? Melancholie schwillt an, doch der breite Sound wummert allzu Trauriges in den Gully.
Ein Best Of nach zwanzig Jahren Rumgebolze klingt vernünftig, doch, wenn man Bernd fragt, dann sagt er gerne, dass Potato Fritz diese Compilation nur veröffentlichen, weil sie den Albumtitel so knorke und irre lustig fanden und warum da keine Punk-Combo bislang drauf gekommen ist. So einen Gag darf man nicht liegen lassen. Da kommt das Jubiläum gerade recht.
Asbest Of ist mehr als Spaß. Die Zusammenstellung zeigt auch, dass totgesagte Musik immer noch, wenn sie in der richtigen Haut steckt, Brände löschen kann. Auf die nächsten zwanzigen Jahre! Und jetzt leg mal wieder die Cunning Stunts der Cows auf!

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