Aphex Twin – Syro

Die Fangemeinde hat wieder ein Thema. Aphex Twin poltert lässig los, macht an keiner Kurve Halt, bleibt souverän und spleenig und hat dem Kompass die Nadel gestohlen. Das war schon immer so. Warum auch nicht 2014?
Vieles swingt fast leichtfüßig durch eine Zeit, in der man auf Bretter oder Humor setzt; in der die Innovation in der Vermarktung liegt und nicht mehr im Track. Richard D. James weiß, wie er wie er was machen muss. Er hat Stimmen, Ideen, Talent, Geld, Sphären und Gefühle plus zahlreiche Beats in petto, so dass er getrost auf altes Material zurückgreifen kann und kein Hahn laut aufheult, weil etwas altbacken oder billo daherkommt. Hey, das ist Richard!
Aphex Twin steht über den Dingen. Er ist ein Klassiker geworden, der uns den kleinen Finger reicht, wir reißen ihm den Arm ab. Keiner scheppert so schön, keine Fahne ist zu lang oder zu Rave. Egal, ob das Geplocker plockert, eine Melodie zu selbstverliebt oder ein Beat zu uninspiriert oder konservativ ist. Man bleibt dran. Legendenbildung in Zeitlupe.
Syro ist Popmusik, die so klingt, als säße man im Zurück-in-die-Zukunft-Auto und man hat das Jahr für die Rückkehr und Acid vergessen. Wer zählt denn noch bpms oder duscht mit Haube? Electro-Funk muss nicht für die Menge sein. Minimalismus heißt das alte Spiel, das Richard D. James beherrscht, wie kein Zweiter, denn er dengelt Qualität mit Reflexion, Lust und Unbekümmertheit. Aphex Twin ist für deine Mutti nicht mehr der Feind. Willkommen auf dem Wühltisch in deinem Starbucks der Herzen. Vielleicht langweilt dich Syro, weil aus Bukem nicht Bukkake wird, aber irgendwie will man am Ball bleiben. Keiner traut sich was zu sagen. Für mich Retro-Shit der Güteklasse A.

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