Weltmusik 1.0 – Hailu Mergia & The Walias Band – Tche Belew

Als die Walias Band 1981 als erste äthiopische Band die USA bereiste, hatten sich die Mitglieder Girma Bèyènè, Mogès Habté, Mèlakè Gèbrè und Hailu Mergia wohl schon vorgenommen, nicht mehr in ihre Heimat zurückzukehren. Da war es auch nicht mehr so wichtig, ob Mulatu Astatke nun zur Band gehörte oder auch nicht.
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Hailu Mergia fuhr in Washington DC Taxi und veröffentlichte Musikkassetten mit traditionellen Klängen, gespielt auf Synthesizer und Akkordion. Vielleicht ist er so an den Bandnamen-Anfang gerutscht, denn Leader war er nicht. Das Instrumental-Stück Musicawi Silt wurde in den 90s noch einmal von nerdigen Franzosen auf den Weltmarkt geschmissen, dennoch blieben die alten Aufnahmen der Walias Band nur für Eingeweihte das Ding aus polyrhythmischen Funk und dancy Jazz. Der große Erfolg blieb aus. Man hatte sich für die Flucht entschieden. Gegen die Band.
Das Album Tche Belew aus dem Jahre 1977 zeigt wunderbar, wie westlich die Band beeinflusst war. Klassisch ergeben sich die Impros klaren Strukturen, Parts, Refrains, Soli und Breaks.
Trotzdem hat diese Aufnahme einen warmen, groovy Charme, der aus allen Ritzen, Flöten und Orgeln trällert. Man klebt an den Bläsern fest, man sucht die Snare, man daddelt in Sphären und bleibt sich stets treu. Einiges wirkt überschwenglich, hat aber auch etwas tief Trauriges im Nacken. Das Album nimmt den Schwung des Afro-Beats mit in fast spießigen Jazz. Geheimtipp!

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