Fatima – Yellow Memories

Ich muss gestehen, dass ich seit 15 Jahren all das liegen ließ, das den Urban-Soul-Hip-Hop-Street-Trip-Hop-Stempel auf der Stirn trug. All der dancy Multikulti-Clash gehörte in die Barfußschule verbannt. Dann tauchte Neneh auf. Neneh Cherry hat mich dieses Jahr herausgefordert und gewonnen. Was ein Album! Und jetzt kommt Fatima.
Eine Schwedin aus London, die mit Floating Points an der Schnittstelle traurigen, aber hypermodernen Street-Soul aus dem Kehlkopf kloppt, dass mir, auch Dank Theo Parrish, der den Opener fingerte, die Haare zu Berge stehen. Wie urban darf Jazz sein? Welch Popansatz zimmert man muckig, aber mit Mut zum Freispiel, in die Jagdgründe?
fatima
Bläser ummanteln Orgeln. Ein Beat tröpfelt das Afterwork-Geplänkel ein. Wenn es doch nur Arbeit gäbe. Die, die Fatima hören, schlafen bis zwei am Mittag. Fish & Chips auf trübe Augen.
Fatima hat eine Stimme, die sich frei bewegt. Die Musik, die im Hintergrund dampft, kann sie nicht schocken oder platt machen. Fatima drückt sich an die Ränder eines Kontrabasses. Sie stolpert in Balladen, die betören und ein Interlude lässt Fatima ganz allein im Doppeldecker-Bus. Fender Rhodes heißt die Tätowierung des Mindfucks deiner Großstadt-Seele.
Fatima singt blue. Sie schwelgt, weint und drückt. Fröhliche Musik für PR-Muttis gibt es nicht. Deren Soul hat Stadtteilfest-Charakter. Fatima ist Profi. Ein Sequenzer-Bass kennt Doggystyle von Snoop Dogg. All das berührt Fatima nicht. Sie ruht in sich. Sie hat ihre Geschichte, ihre Familie und keine Richtung. Mega!

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