Chet Faker – Built On Glass

Wer bei dem Namen etwas Humoristisches erwartet, wird enttäuscht. Alle anderen nimmt Nick Murphy mit ins Schlafzimmer, das sich per Knopfdruck in eine Restefick-Bar verwandeln lässt.
Murphy spielt mit der Attitüde des smoothen Jazz und der Penetranz eines Justin Timberlake-R’n’B. Er bricht diese ausgelutschten Genres auf, um sich als Liebender darzustellen. Die Songs bekommen ganz wenig Fett gespritzt, so dass man sich in luftigen Gefilden wähnt, doch Murphy ist ein cleverer Bursche, denn er verfremdet und verwäscht Gefühle gern. War man eben noch Barfuß am Strand, liegt man per Handclap ruckizucki in der Gosse. Chet Faker gelingt eine Soul-Attrappe, die bei starkem Wind einzustürzen droht. Schicht um Schicht schmiert Murphy Lehm nach.
Die erzeugte Wärme schlägt in eisige Kälte um. Mach das Fenster zu.

Chet Faker

Loops tauchen auf, das Rhodes schmiegt sich an die Theke. Hier sind nur noch die Verstrahlten anwesend. “Was ist elektronische Musik?”, fragt die Barfly des Jahrhunderts. Murphys Stimme macht Dampf in allen Gassen. “Downbeat für den One-Night-Stand.”, flüstert die Musikpolizei.
Built On Glass ist ein modernes Album, das cooler sein will, als der Radio-Schmotz. Murphy hat es drauf. Er bricht in den Mainstream ein und bringt analoges Instrumentarium mit. Im Schlafzimmer warten die Girls auf den Hipster, der aber lieber in der Asi-Bar wegen seines Künstlernamens mit Schabracken in Kontakt kommt. Tolles Debüt.

Chet Faker – Talk Is Cheap from PIASGermany on Vimeo.

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