St. Vincent – St. Vincent

Annie Clark packt noch eine Schippe drauf. Strange Mercy war schon im Himmel, doch das selbstbetitelte St. Vincent stößt alle Türen ins Universum auf. Annie hat ihren Sound noch einen Ticken kompakter gemacht. Die Bläser aus der Zeit mit David Byrne bringen warme Stiche mit. Die kratzige Gitarre, die ständig auf der Suche nach einer Melodie zu sein scheint, die sie dann automatisch in ein Solo verwandelt, ist noch mehr das Bindeglied zwischen Stimme und Arrangement geworden. Sie kann sich auf ihr Gefühl verlassen, dass alles groovt, was sie anfasst.

St. Vincent

Annie Clark wirkt wie ein Hippie-Mädchen im digitalen Supergau. Sie, die Replikantin mit Blumen im ergrauten Haar, lässt sich Türen offen, um kurz in Momenten zu wildern, für die andere töten würden, um sich auf ewig mit ihnen zu schmücken. Annie reicht dann aber ein Blick, denn es kommt ja noch der Chorus.
Clark, die gläserne Bürgerin, die, die weiß, wenn sie nicht alles preis gibt, dass sie übersehen werden könnte, behauptet sich im Genre Experiment. Hey, sie braucht nichts auf Instagram hochzuladen. Sie bekommt im Real Life ihre Likes. Dafür sind ihre Songs zu ausgeklügelt. Sie schafft den Spagat zwischen Avant-Pop und Rock. Mit Daniel Mintseris, Toko Yasuda und Matt Johnson live eine Granate. Sie schaut in die Zukunft mit wundersamen Sounds aus der Vergangenheit im Köcher.
Tanzbare Momente bekommen auf einmal röhrende Sounds an die Hand, die etwas riskieren. Der Bass hat knarzende Tasten. Wundersame Balladen legen sich sanft zwischen den Ausbruch. St. Vincent liebt die Liebe. Auch wenn nicht immer alles hält, es muss einen nächsten Versuch, einen neuen Angriff geben, um endlich glücklich zu werden. Annie Clark sitzt wie Daenerys Targaryen auf dem Thron. Wie eine Wahnsinnige spielt sie Gitarre. Sie singt viele an die Wand, die glauben, sie hätten Talent. Ihr Drache St. Vincent wird sie am Ende des Jahres in die Top Ten fliegen. Meisterwerk.

St. Vincent “Digital Witness” from chino moya on Vimeo.

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0 Gedanken zu „St. Vincent – St. Vincent“

  1. Sorry. Das ist nicht mehr mein Ding. Das Debut, Actor & Strange Mercy – alles wunderbar, aber nun ist Frau Clark auf dem Holzweg, meine ich. Ist vielleicht der schlechte Einfluss von David Byrne Schuld: zu arty, zu fashy …

    1. Lieber Swen, das Album ist ein ganz tolles Ding geworden. Ich kann es nicht aus der Hand legen. Immer wieder entdecke ich eine Bridge neu, die mir die Schuhe auszieht. Geile Produktion. Geil arty und fashy.

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