Lydia Loveless – Somewhere Else

Lydia Loveless hat schon viel durchgemacht. Alkoholexzesse während der Tourneen haben sie in die Abhängigkeit geführt, viele private Probleme tauchten dann natürlich auf und das Gefühl, irgendwie zwischen den Stühlen zu hocken, beschleicht sie bis heute noch.
Ihr musikalischer Ausdruck ist da ähnlich gepolt. Auf Somewhere Else mischt sie Country mit Rock und Singer-Songwriter-Radiotracks. Von Punk, wie es überall geschrieben steht, höre ich nichts. Als HörerInnen ihrer Mucke wissen wir nicht so genau, wie dreckig es ihr mal gegangen war, da viele Kanten glattgebügelt wurden. Lydia Loveless kommt mit ihrer Idee des Storytellings und ihrer Schnoddrigkeit nicht an frühe Liz Phair-Sachen heran. Trotzdem reizt der Vergleich. Loveless hat sogar mehr Stimme als Liz. Aber ihre Attitude ist längst nicht so cool. Dies wird sie wurmen, aber nicht scheitern lassen.
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Auch ihre Musik wird Abnehmer finden. Diese Mischung aus Romantik mit verwundetem Herz schafft es, Tempo zu machen, zwischendurch sogar zu triumphieren. Und doch schwingt eine Spur profaner Mainstream mit. Loveless gelingt es nicht, die Tür zum öden Country zu schließen. Wenn sie auf die Pauke hat, dann zu kalkuliert. Da hilft auch die Kirsty MacColl-Coverversion nichts. Vielleicht müsste Lydia mehr die traurige Schnepfe geben, die von ihren Männern erzählt, die ausgenutzt und verletzt wurde und mal wieder gleich in die nächste Misere gerutscht ist. Denn vieles tut ja textlich weh, doch die Songs drumherum sind zu glatt. Sorry.

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