The Notwist – Close To The Glass

The Notwist blenden uns ein bisschen. Die Kritikerlieblinge sind so innovativ wie Kalaharisalz. Und dennoch schaffen sie es mit ihrer Musikalität und Lust, dass man dem bunten Treiben folgt und die Beatles wieder einmal als Referenz nennen darf. Am Ende wird man aber gelangweilt behaupten, dass The Notwist eine tolle Band ist, die weiß, wie man ein Album aufbaut und wie man Altbekanntes für Unwissende in frische Formen gießt.
Die neue Notwist darf sich zwischen zwei Geduldsfäden bewegen. Auf der einen Seite stehen die Melodien, die wie aus der Zeit gefallen sich in die umtriebigen Arrangements drücken. Auf der anderen Seite stehen das Klanggebilde, die Idee, die Instrumentierung, die sich allesamt zusammenraufen, um an etwas Großem zu werkeln. Die Fäden verknoten sich. Wer mit dem Kopfhörer entwirrt, wird vielleicht belohnt. Man mag Pop, ja auch Jazz und natürlich die Elektronik mit Glöckchen und Pingpong und Pluckern. The Notwist waren immer schon mehr Koch als Esser. Vieles hat zuviel Würze. Doch würde man die ganz weglassen, wäre man vom Geschmack leicht irritiert. Schmeckt dann nämlich grau.
Manchmal überrascht einen dann aber das Spartanische, das Zurückfallen in eine nur auf wenige Punkte fixierte Grundidee, in der dann plötzlich nur die Stimme Raum bekommt. Hier horcht man auf, da man nicht so zugekleistert wird und man nicht ständig aufpassen muss, nicht eine Alarmanlage oder Synthie-Figur zu verpassen.
Kong will natürlich ins Radio und auf Mixtapes. Diese Mischung aus Dinosaur Jr. und Liquido, die zusammen einen Lali Puna-Song covern, ist das schwächste Lied des Albums.
The Notwist machen neue Räume auf, die zwar schon ziemlich voll sind, doch auch sie passen zurück in den Shoegaze-Schuhkarton. Sie dürfen sich perfektionieren und sich auslassen. Sie haben Zeit, Geld und Lust. Das spürt man. The Notwist wollen amtlich sein und sind es sicher auch. Eine Band, die Melancholie als Understatement benutzt, die Rock liebt, ohne zerstören zu müssen, quasi die unrockigste Rockband Deutschlands.
The Notwist verehren die Elektronik, die in den Pop zieht, um allen einen wohligen Schrecken zu erteilen. Die Weilheimer heben ihre Melodien aus dem Popkurs Kinderfantasie in die Arty Farty-Welt der Audiophilen. Schön langweilig.

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