Stephen Malkmus & The Jicks – Wig Out At Jagbags

Stephen Malkmus liefert ab. Der Ober-Slacker ist auch nach all den Jahren nicht unkreativ geworden. Der Retro-Langweiler vom Campus hat ein paar Liedchen im Gepäck, die so fluffig sind, dass du sie ungeniert als Lieblinge bezeichnen kannst. Immer noch bestimmen Zynismus und Zitat seine Musik. Stephen setzt sich zwischen alle Stühle, lässt obskure Vergleiche raus und lächelt insgeheim, da wir alle nach Krautrock suchen, überlegen was Wolfgang Voigt drunter trägt, den Pop eines Grantlers genießen, jedes Gitarren-Solo mitpfeifen und an seinen Lippen hängen. Pop war nie schöner und unbedeutender.
Malkmus ist ein Clown, der sich den Rock-Zirkus mit viel Indie-Quatsch als Zuhause ausgesucht hat. Eine Vernissage wird zum Clubbesuch. Ein Rockkonzert zum Debattierclub. Er weiß, dass er nirgends hingehört und dennoch hat er seinen Trailer da draußen stehen. Manchmal fährt er einfach weiter, wenn ihm die Spießer von früher erzählen wollen, sein Blick spricht dann Bände oder er lässt für uns Fans einen windschiefen Gruß da. Johnny Thunders hier, Köln ein Luftkurort. Von Spar kann man sich sparen.
Stephen Malkmus & The Jicks
Ein Hit wird dann gerne mal mit zehn Köchen versalzen. Hippies lieben Weezer. Stephen nur das Wortspiel und den Spiegel. Malkmus schafft den Sprung aus der Pavement-Geschichte hinein in sein Solowerk. Man wird zwar immer sagen, dass er mal bei Pavement war, doch auch dieses Album kann sicher als Referenz irgendwann einmal herhalten. Malkmus liebt die Ironie. Er liebt das Dengeln und Quengeln. Hinzu kommen nun noch wunderbar smarte Bläser, die noch mehr Melodie ins Getümmel bringen. Nichts klingt mehr nach einem Versehen. Alles ist geplant, der Witz auf den Punkt und das Lied im Fokus. Stephen Malkmus hat ein Album aufgenommen, das man wunderbar hören kann, man kann darüber diskutieren, man darf sich sogar manchmal ärgern, aber man wird es für immer lieben, da es mit Herzblut und Liebe produziert wurde. Es sind Splitter des Rock. Toll. Die 70er sind in Malkmus gefahren. Er erinnert so an Rodney Graham, der mit Rock Is Hard 2003 ein wundersames Album veröffentlicht hat. Für diesen Vergleich wird mich Stephen Malkmus hoffentlich irgendwann einmal abknutschen.

Stephen Malkmus & The Jicks – Lariat (Director’s Cut) from Scott Cudmore on Vimeo.

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