Roger Eno – Little Things Left Behind

Du siehst aus wie der junge Brian Eno an einem guten Tag, sang einst Tilman Rossmy. Doch hier soll es sich gar nicht um Brian, Roxy Music, Apollo oder Frisuren drehen, denn Roger Eno, der jüngere Bruder des Poptitanen, bekommt nun mit Little Things Left Behind seine eigene Werkschau.
Die beleuchtet das Schaffen des Komponisten in den Jahren ’88 bis ’98. Also die Zeit nach seiner Filmmusik für Dune von David Lynch, die ihn vielleicht etwas bekannter machte, aber natürlich nicht ins Rampenlicht der roten Teppiche oder des NME katapultierte.
Es sind also die Piano-Skizzen, die Eno so traumwandlerisch mit Eleganz ins Ziel bringt, die im Ohr hängen bleiben und das Kopfkino beflügeln. Verhuscht kommen sie daher, mal verspielt, mal abstrakt. Es sind die Kleinode für das Kammermusik-Ensemble, die sich mit dem Namen Michael Nyman rumschlagen müssen, aber sicher auf eigenen Füßen stehen und gar nicht den Vergleich anzutreten bräuchten, wenn es uns Rezipienten nicht geben würde, die ständig, weil sie nicht wissen, wie sie etwas beschreiben sollen, zu Namen aus der Mottenkiste greifen.

Roger Eno

Das wunderbare Label All Saints Records versammelt nun Tracks der Alben Between Tides, The Familiar, Lost In Translation, Swimming und The Flatlands. Man bekommt einen guten Einblick in die Kunst Enos Kompositionen. Jede Wendung hat Hand und Fuß. Keine Spielerei zu viel, kein Kitsch zu schleimig. Die bewegenden Solo-Piano-Arbeiten stechen schon sehr ins Auge. Sie zeigen die Kraft und das Melodieverständnis des Ausnahmekomponisten. Gerne wirft man in solchen Momenten Satie in den Partykeller, doch Eno weiß damit umzugehen. Seine Skizzen tragen seine Handschrift, ganz eindeutig. 40 Tracks ist diese Compilation stark und kann die Aufmerksamkeit des Hörers auf gesamter Länge halten.
Little Things Left Behind ist etwas für Entdecker, Score-Fetischisten oder Sammler. Ein starker Einblick in die Welt eines Bruders, der einen eigenen Weg einschlug und sich Beiträge im Film 9 1/2 Wochen in die Vita eintragen lassen darf. Nein, nicht das Joe Cocker-Ding, das ist doch von Randy Newman, du Banause. Little Things Left Behind bleibt dennoch insgesamt für Spezialisten. Sonntagsbruch-Musik, wenn man mal die Musikpolizei mit einem Nachnamen schocken will.

Roger Eno – Little Things Left Behind 1988 – 1998 TRAILER from All Saints Records on Vimeo.

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