Arcade Fire – Reflektor

Ich weiß, dass die Arcade Fire-Fans wieder pöbeln werden. Spinnt der Vazquez jetzt völlig? Liest der kein Pitchfork? Ruhig Blut, Leute, aber die von mir sehr geschätzte Band Arcade Fire macht doch eigentlich seit Jahren an dem selben Song rum. Gebt es zu!
Sie perfektionieren eine tadellos gute Idee, einen Sound, der nun zwar neue Werkzeuge in die Hand bekommt, aber runtergerechnet eigentlich die selbe Summe erzielt. Hey, ich bin doch auch Fan! Ich weiß nicht, was ich erwartet habe? Diese Band weiß zu prahlen, sie kann Kleines ganz groß pusten. Jetzt kann sie auch noch tanzen, mit bass- und beatlastigen Elementen hantieren, Dancehall nach Kanada schieben, ein Konzept grob an Orpheus und Eurydike anlehnen und James Murphy ihren Produzenten nennen. Puh!

Arcade Fire

Eine Doppel-CD, die keine zu sein bräuchte, ist nun dabei rausgesprungen. Die Streicher sind irgendwie weggeknickt, die Folkanmutung hat einem Quasi-Rock Platz gemacht. Ein Album ist entstanden, das einen fordert, das aneckt, das Hymnen zwar zulässt, aber nie aus dem Stadion trägt. Alles wirkt ein wenig verkopft, obwohl alles groovt und mit Deepness gestempelt wurde. Die Hits auf CD 2 wollen fast ein bisschen entschuldigen, was man auf CD 1 so fabriziert hat.
Vielleicht muss ich dieses Album noch länger liegen lassen. Wenn ich einzelne Tracks anspiele, bin ich immer noch von dieser melancholischen Präsenz Butlers begeistert, von diesen Melodien verzaubert, die wie gesagt schon mal ausformuliert wurden, hier reproduziert werden und wahnsinnig geil klingen. Ich mag die trotzigen Keyboards, das quirlige Schlagzeug, den Hall, die Strophenführung. Den Bowie und den Gano. Nur kann ich dieses Album nicht am Stück hören.
Warum müssen Bands immer eine Idee größer machen? Sich mit Produktionen selbst in Gefahr bringen? Leider verlieren sie so das Ursprüngliche. Nämlich das Songwriting. Darauf wird doch aufgebaut. Wenn man sich wiederholt, dann verliert auch das alte Gold an Glanz. Man dreht vielleicht sogar enttäuscht ab. Butler kann doch mehr. Warum bricht er alles auf die selbe Formel runter? Mutig ist nur die Produktion. Doch eine Produktion schreibt noch keine Lieder. Die Suche nach dem großen Popsong wird vertagt, da man ja den alten Hit nochmals anders machen wollte, weil man jetzt den Dancefloor entdeckt hat, weil man heimlich Reggae liebt, weil man Produzenten ranlässt, die einem den Körper verpassen, der nicht mehr durch die Studiotür passt. Herrgott.
So lässt mich Reflektor ein wenig traurig zurück. Arcade Fire sind immer noch 1a, keine Frage, vielleicht verlange ich zuviel, aber der Thron wackelt, fallen wird er dennoch nicht. Wenn ich liebe, dann unendlich.

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