Omar Souleyman – Wenu Wenu

Das ist schon ein Brocken.
Wie viel nun Wunderkind Kieran Hebden da rumgewerkelt hat, um den Sound Omars zu optimieren, kann man eigentlich nicht beantworten, wenn man nicht beim Mix dabei war, aber es ist ein Brett geworden, das den ehemaligen Hochzeitssänger in die Welt der Tanzmusik katapultiert, die nicht auf Omar gewartet hat und die ihn wohl auch gar nicht so interessiert.
Omar Souleyman stößt an Grenzen, reibt sich dort, luschert über den Tellerrand, bleibt aber dennoch seiner Tradition treu. Nur das alles nun sauberer klingen darf. Der Bootleg-Kassetten-König macht Musik, die über ihren Rhythmus und die Wiederholung bestimmter Meldebögen funktioniert. Die Texte sollen wohl auch interessant sein, doch da hab ich mich noch nicht reingefuchst. Später vielleicht.

Omar Souleyman

Fürs Protokoll: Souleyman macht weiterhin folkloristische Tanzmusik, die am Techno schnüffelt, die aber altbacken orientalisch ist und Ersthörer an die ollen überteuerten Tapes vom Bazar erinnert. Hebden hat sich mehr um den Klang der Liveaufnahmen gekümmert, als um das klassische Produzieren. Alles wurde etwas grader gerückt als noch auf den letzten Alben. Das Muffige ist klareren Sounds gewichen. Nichts erinnert an Four Tet. Auch eine Leistung.
Das Tempo ist hoch und bringt ungeübte Tänzer und Worldmusic-Fantasten auf die Palme. Die Stimme Souleymans ist immer am Anschlag. Ein leichter Hall weht aus der Wüste daher. Kitsch gibt es auch und ein paar stupide Drum Patterns. Alles wirkt wie aus den 90ern. Der Bass ohne Bund, der Synthie einen Ticken zu ranzig und die Stimmung zu gewollt groovy und funky.
Man muss schon aufpassen, um alles verstehen und abstrahieren zu können, oder Nuancen einzelner Tracks zu verinnerlichen. Ein mutiges Album für das Domino-Label, denn es ist für Menschen, die auf der Suche nach spezieller Musik sind, die sie auf Parties als ganz großes Ding abfeiern können und von den Gästen den Vogel gezeigt bekommen. Also ich mag es, obwohl ich nicht mal weiß warum.

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