Oneohtrix Point Never – R Plus Seven

Daniel Lopatin wendet das Blatt. Auf der einen Seite stand noch, mit einer alten Handschrift aus dem Buch der Esoteriker und Gläubigen, Kirche Schrägstrich Ambient gekritzelt, so zeigt sich auf der anderen ein groß angelegtes Störfeuer, das die Ohren schockiert und die Gedanken kreisen lässt, als wären nicht alle bekannten Klänge zerstörbar.
R Plus Seven
Unruhige Piano-Arpeggios perlen aus der Konvention. Cut-up-voices machen den Chor, selten den Refrain. Lopatin ist nicht an stumpfen Rhythmen interessiert. Er nimmt den Popkontext als gegeben hin, hebt ihn aus und zerstückelt genüsslich Streicher, Beats, Fieldrecordings und Loops.
Oneohtrix Point Never produziert für die Kathedrale, die deine Hörgewohnheiten einschließt. Trance-Effekte scheuen sich nicht, auch ein Drum&Bass-Gefühl macht auf Ghostwritertum. Manchmal fließt Schönheit mit ein, die einen weghören lässt, die aber schnurstracks zur Strafe das Stottern anfängt.
Stimmen lesen, keuchen und verlieren Buchstaben und somit Sinn. Lopatin erfindet sich nicht neu. Er ist meisterlich und stilsicher. Vielleicht das Elektronik-Werk des Jahres. Aber wer sagt schon Elektronik? Lopatin schafft es mit dieser Bildstörung alles zu entfalten, was man benötigt, um den staubigen Barock des Laptop-Alchemisten aus den Talaren zu schütteln und das so etwas wie Humor Atmosphäre schafft. Es lacht zwar niemand, aber auch ein Kopfschütteln kann eine Reaktion sein. Für Warp ein Glücksfall.

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