Arctic Monkeys – AM

Als erstes muss ich festhalten, dass ich die Arctic Monkeys für eine großartige Band halte. Aber, hier kommt nun die Einschränkung, sie ist keine Album-Band.
Auch auf AM wimmelt es nur so von tollen Gimmicks, geilen Chören, heftigen Gitarren-Soli, schmusigen Teddy-Refrains und hammermäßigen Vodoo-Wüsten-Las Vegas-Riffs. Schwerenöter Josh Homme gibt den Chorleiter und Keyboards bringen Breite.
Arctic Monkeys
Turner versteht es nach wie vor, Songs zu schreiben, die berühren, mitreißen und cool sind. Er weiß, wo der Refrains sitzt, er weiß, wie er eine Strophe aufbauen muss, um sie auch gleich dreimal zu wiederholen, ohne, dass man sofort mit dem Stift drangeht, um zu kürzen. Er schafft es auf AM sogar, dass sich seine Texte, fast wie im HipHop, wunderbar auf die Musik legen. Wie immer geht es um Girls, Girls, Girls. Mal rauchend, mal mit Lederjacke, mal in der Nacht, mal mit Leidenschaft, mal ohne. Turners Timing ist erste Sahne. Viele Worte werden groovy und mit schmissigem Timbre über zickige Lines gelegt. Das Bein zuckt.
Die Hits verstecken sich nicht und die etwas schwierig anmutenden Teile oder Bridges fügen sich beim mehrmaligen Hören wundersam zusammen. Was ist denn nun mit der Einschränkung? Kommt, kommt. Die Arctic Monkeys zelebrieren sich, ihren Sound, ihre Jugendlichkeit und Cleverness gerne bis ins letzte Detail. Dies schon seit zwei Alben. Die Ideen wiederholen sich. Auf Albumlänge zieht sich dann die Chose wie ein lecker schmeckendes Kaugummi, das man nicht ausspucken will, da teuer gekauft. Man erwartet vielleicht zu viel. Doch man muss nicht von einer solchen Band etwas mehr Mut vorgelebt bekommen? Die Arctic Monkeys suhlen sich im Headliner-Scheinwerferlicht und stehen mit den Händen am Schniepel da und genießen die ihnen zurecht geschenkte Aufmerksamkeit. Hier wird es aber leicht dröge. Mancher Song wirkt wie am Reißbrett konzipiert. Alle Zutaten stimmen, doch die Dosis macht die Musik.
AM ist ein sehr toll produziertes Album, Turner singt so schön wie nie. Die Balladen sind Zucker. Der fade Beigeschmack wird verzogen sein, wenn das nächste Album auf dem Tisch liegt. So lange gilt: Meckern, weil man als Fan einfach nicht zufrieden sein kann. Und am Ende des Jahres schaffen es dann sogar zwei Songs auf das Mixtape für die Lady des Hauses. So ist das nun mal.

ARCTIC MONKEYS [Why’d You Only Call Me When You’re High?] from nabil elderkin on Vimeo.

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