Willis Earl Beal – Nobody Knows.

Der Einstieg ist Gänsehaut pur. Willis Earl Beal macht den A-Capella-Trauerkloß, um dann den Track mit sanften Streichern auf der Ziellinie doch noch aus dem Korsett des lupenreinen Soul zu befreien. Wer hier Blues schreit, der bekommt seine Packung. Wer Aggressivität benötigt, um all die Grenzen wegzubouncen, der bekommt sein Fett weg. Beal ist der Prediger, der dir die Tür vor der Nase zuschlägt.

Willis Earl Beal

Nobody Knows. ist eh eine ganz andere Produktion geworden als erwartet. Ich hatte mit minimalistischen Versatzstücken gerechnet; mit Homerecordings und viel Geraschel, doch Beal hat sich weiter entwickelt. Er nutzt seine stimmlichen Fähigkeiten, um aus einem Gospel-Tune, eine SingerSongwriter-Hymne zu basteln. Viele Sounds schwingen einher. Chan Marshall darf singen, Bleche scheppern, Salvendrums den Marsch blasen und Bässe slappen. Willis Earl Beal veranstaltet dennoch unterm Strich das, was man allgemein Angstmacherei nennt. Er wurschtelt dunkle Momente dazwischen, die einem Unheil prophezeien, die das Popcorn ranzig werden lassen. Schmusig wird es eigentlich nie, obwohl einen die Stimme das vorgaukelt, weil man diesen Klang anderswoher kennt.
Der Low-Fi-Charakter mag ein wenig zur Seite geschoben worden sein, doch Beal bricht an fast jeder Ecke aus. Er ist ein getriebener Kreativer. Irgendetwas peitscht ihn fast manisch aus. Diese Wut, die manchmal sogar eine blutende Orgel an die Hand bekommt, wird kraftvoll umgesetzt. Es werden keine Gefangenen gemacht. Man hängt Beal an den Lippen. Dabei ist das Genre nebensächlich. Ob Gospel, Soul, Blues oder Pop. Beal wühlt auf, so nebenher kann man Nobody Knows. nicht hören.
Beal verschafft sich Platz. Er nutzt jede Möglichkeit, um seine Klagelieder mit Absicht vor die Wand zu fahren. Wer braucht noch einen Chorus, wenn man Strophen hat. Eigentlich benötigt Willis Earl nicht viele Melodien. Alles ist simpel gestrickt. Wenn dann noch der Rock durchbricht, das Unheil ein Grollen ist, dann gehört der große Willis Earl Beal in die Jahrescharts. Er ist der apokalyptische Reiter, der noch Fleisch auf den Knochen hat, der sich in schwarzen Stiefeln und mit abgeschnittenen Lederhandschuhen durch die Nacht schwingt. Sein Umhang, ein Merchandise-Produkt. Stark. Tolles Album.

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