Babyshambles – Sequel to the Prequel

Und wieder gibt es ein Comeback des Jahres. Peter Doherty meldet sich aus Paris und im Britrock zurück. Darauf einen Dujardin.
Seine Babyshambles spielen wie befreit auf, so als hätte es Exzesse, Mittelmäßigkeit, Unfälle, abgesagte Konzerte, besoffene Gigs oder Haftstrafen nie gegeben. Peter Doherty schafft den Sprung aus der Yellow Press, denn sein Talent liegt ja nicht mit dem Kopf auf der Theke. Alle paar Jahre gibt es lichte Momente, die zum Glück dann sogar auf Band festgehalten werden. Auf Sequel to the Prequel blitzt Dohertys Talent in allen Songs auf. Man ist spürbar bei der Reformierung der Band dabei. Der Proberaum poltert aus den Boxen, doch später kommt das Varieté, kommen die Streicher hinzu. Der Rotz verfliegt.
Doherty kann aus einer Miniatur ein großes Popding zaubern. Sein dahingefurztes Gitarrenspiel wirkt wie ein filler, so als müsste er noch zwei Tönchen spielen, bevor ihm der Gurt reißt und alles aus den Händen gleitet. Doch genau diese kleinen Details machen diesen unberechenbaren Charme aus. Alles ist fluffig arrangiert. Die lauten Ideen bekommen angekratzten Dreck und die smoothen Entscheidungen schwelgen in Erinnerungen. Sind das Chöre oder Stimmen?

Babyshambles

Gerne klaut Doherty bei sich selbst. Aber das reicht einem Popliebhaber, wie Doherty einer ist, natürlich nicht. Die alten Helden The Clash und die Sex Pistols werden gerne zu Rate gezogen, wenn es um Riffbildung geht. Doherty macht den speienden Rotten, den poetischen Strummer und den nuscheligen Dan Treacy. Doch die rockigen Auswürfe wollen gar nicht so aus der Norm fallen. Sie sind nur ein kurzer Ausdruck des Aufbäumens gegen das Establishment. Es sind die Melodien, die poppigen, ja fast schon sanften Tunes, die berühren und einen schwelgen lassen.
Die Babyshambles haben ihre Spielfreude wiederentdeckt. Doherty singt, ohne mit der Wimper zu zucken überall seinen Kauderwelsch drüber. Herrlich, wie romantisch es zugeht. Doherty schafft es mit zauberhaften Refrains, eine dahindudelnde Melodie in den Himmel zu schubsen. Die Gitarrensounds sprechen eine deutliche Sprache, egal ob sie akustisch oder elektrisch aufgenommen wurden. Hier strahlt wohlige Wärme in die Auslage. Kleine Hits schieben sich an großen vorbei. So war es bei Doherty immer. Er achtet auf die Mischung. Wenn geschludert wird, dann richtig, um im nächsten Moment, Sterne aus dem Firmament zu stehlen. Wo Suede Drama-Pop spielen, ist Doherty fleischgewordenes Drama. Er ist der schwitzende Junge aus der Neighbourhood, der vergessen hat, sich die Hände zu waschen. Dann liegt er auf deinem Bett und schrammelt gedankenverloren auf der Klampfe herum. Du kritzelst für ihn Gedanken in ein Poesiealbum. Alles passiert in diesem Augenblick. Die Liebe, der Frust, das Koma und die Nostalgie. Man könnte sich auch auf der Stelle zusammen erschießen. Aber lieber teilt man sich den letzten Spliff.
Endlich hat Doherty mal wieder den richtigen Kanal gefunden. Wunderbar. Poppunk, der nie Geheimtipp war. Die Mods lieben Selbstironie. Doherty hasst und vergöttert sich. Wenn der tragische Held zum Mikrophon taumelt, öffnet man seine Arme und Herzen. Wir müssen die Talente feiern wie sie fallen. Tolles Album. Cheers!

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