Lydia Lunch Live Hamburg, Kampnagel 22.08.2013

Lydia Lunch beweist immer noch, dass sie die Grande Dame des Punk ist. Sie lässt die Männer auf Kampnagel schwitzen, saufen, tanzen und rauchen. Die Ladys im Publikum wollen so sein wie Lydia, sie haben sich fein gemacht. Die Haare sind gefärbt, mal rot, mal schwarz. Sie haben sich in Netz, Leder und Gothic-Swingerclub-Masken gehüllt. Sie stehen am Bühnerand und fordern die Hits. Alles kann, nicht muss.
Lunch will keine Schubladen. Kein Punk, kein Gothic. Sie schreit irgendwas von NoWave. Sie hat wohl recht. Es gibt Songs ihrer Band Teenage Jesus & the Jerks. Lydia gibt den Hamburgern, was sie verdienen. Eine lange Suicide-Coverversion zum Beispiel. Es wird gestöhnt, gebangt und gespuckt. Weasel Walter, der Gründer der Flying Luttenbachers zeigt, dass er nicht nur am Schlagzeug, sondern auch an der Gitarre ein Gott ist. Es jault und rockt. Mit grimmiger Visage spuckt er wie einst Jochen Distelmeyer die Bühne voll. Geil.

Lydia Lunch

An den Drums sitzt Bob Bert, ganz früher bei Sonic Youth, als die noch ohne Gerhard Richter waren, sondern Richard Kern’s Schmuddelfilme untermalten. Bert hält den Stakkato-Punk zusammen. Bassist Algis Kizys, früher bei den Swans, lässt seinen Bass wunderbar scheppern. Er hat den Blues. Wie ein Derwisch fegt Lunch über die Bühne, hat keine guten Worte für Kim Gordon und für den obligatorischen Shouter im Publikum, der wird mit einem harten Motherfucker, komm doch nach oben, dann fress ich dich auf und Fuck You in seine Schranken gewiesen.
Es ist ein launiger Abend. Das Publikum hat Spaß, es tanzt, grunzt und raucht. Man feiert sich, den Tod des Punk, das Alter versus ewige Jugend und das Alternative an sich. Lunch befeuert diese Stimmung mit ihrer Präsenz und Spielfreude. Es gibt handgemachten Rock, der wenn er ausbricht und in die Improvisation rutscht, herrlich dramatisch wird. Ein Hauch von New York in Hamburg. Klasse.

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