Tamikrest Live Hamburg, Kampnagel 07.08.2013

Wenn Weltmusik in die Weltstadt Hamburg kommt, dann ziehen die Altgebliebenen ihre Schuhe aus und ergötzen sich an Klängen zusammengepuzzelt aus dem musikalischen Restmüll der Ersten Welt.
Krautrock hat Deutschland schon vor Jahren verlassen und ist unbeachtet in Kidal angekommen. Dort waren vorher auch schon Jimi Hendrix, Bob Marley und Bob Dylan im Kofferradio zuhause. Tamikrest hat sich dem Wüstenblues verschrieben, der schiebt sich jamsessionartig in die Glieder derer, die es wagen, ihren Körper unbekümmert einfach mal gehen zu lassen. Für Hamburger nicht ganz einfach, da man eher damit beschäftigt ist, die Weißweinschorle grazil zum Munde zu führen oder der hübschen Begleitung den Familienstammbaum des Musikers Mark Knopfler zu erklären. Doch die Sozialpädagogen, jungen Wilden und Senioren-GermanistikstudentInnen in der gut gefüllten und temperierten kmh übernehmen das Ruder und jauchzen schon beim Einmarsch der Musiker. Doch der Funke bleibt einer. Auch die Mitklatschaufforderung nach drei Anläufen bestätigt die etwas steife Performance der Band. Nicht alles geht auf. Tamikrest aus Mali begeistern leider nur zu Beginn. Im Eröffnungstück passen die Rädchen noch nicht ineinander. Hier wird es eigentlich interessant. Der Groove hängt, die Mischung ist nicht ganz optimal und doch spürt man, dass die Musiker etwas bewegen könnten, doch schnell macht sich dann doch Routine breit und Tamikrest daddeln ihre Loops so runter.

Tamikrest

Das Gitarrenspiel des Rhythmusgitarristen ist auf zwei Akkorde beschränkt, die er immer wieder im Wechsel anbietet. Ihn zu beobachten, hat schon was. Seine Suche nach dem Unterbringen der Grundtöne hat fast etwas Mantraartiges. Der Bass und das Schlagwerk versuchen die Gitarrenfiguren Ousmane Ag Mossas zusammenzuhalten. Dies gelingt immer besser. Leider geht so die Virtuosität und der Drive ein wenig verloren.
Als die Stimmen zum ersten Mal zu dritt in den Raum schallen, weiß man, dass die Dirty Projectors aus NYC eine wahnwitzige Band ist, die wirklich auf allen Kontinenten zuhause ist und ihren Sound perfektioniert hat. Tamikrest dagegen spielen etwas spröde ihren Stiefel runter. Das Publikum ist dennoch angetan, weil es vielleicht schon mit dem Stempel Worldmusic zufrieden gestellt ist. Vielleicht haben sie sich aber auch von der ‪Djembé‬, den traditionellen Tuareg-Gewändern oder der Kalebasse überzeugen lassen. Von blenden will ich hier gar nicht reden. Viele träumen an diesem Abend von Widerstand, Jimi Hendrix, Ausdruckstanz und Seelebaumelnlassen. Tamikrest sind vielleicht politisch interessant, musikalisch dann doch eher zu leicht zu durchschauen, da sind Bombino, Group Doueh oder Omar Souleyman schon einen Schritt weiter.

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