Cannibal Diner von Frank W. Montag

Das zweite Machwerk von Frank W. Montag spielt mit den Perspektiven und den Bildern im Kopf des Zuschauers, die automatisch auftauchen, wenn man einen Blick auf Cannibal Diner wirft. Wen beobachten wir? Die Heldin, ein Model aus Düsseldorf oder die verstrahlten Kannibalen-“Monster”, ähnlich denen in The Hills Have Eyes, die eine neue Mutti für die Familie suchen, da die alten Muttis zu schnell Geist und Körper aufgaben? Wer tut einem mehr leid, die Kaputten oder die Bewohner der heilen Welt? Wer soll denn nun überleben?

Cannibal Diner

Die Querverweise und Referenzen sind von Anfang an da und dennoch erschafft Montag mit dem Zusatz von Humor einen eigenständigen Film, der mutig das Genre hofiert. Kann ein Backwood-Film aus Deutschland, der in Deutschland spielt funktionieren? Im Grunde ja, Wälder gibt es genügend. Auch die Katastrophe in einem Chemiewerk könnte diese Anomalie erklären, die die auf einem alten Fabrikgelände hausenden Kannibalen befallen hat. Und natürlich gibt es auch in Deutschland naive Models, die zum Zelten und Feiern rausfahren, ständig Party rufen, auf Koks lesbische Spielchen für die Kamera posen und sich Autos klauen lassen. Also her mit dem Gore! Es muss nicht immer Amerika sein.
Der Found Footage-Beginn lässt einen noch kurz in die Irre laufen, denn nach wenigen Minuten ist Schluss mit der Wackelkamera, der Blair Witch Project-Anbiederung und wir werden mit unter eine Dusche genommen. Klar, auch Montag weiß, dass junge Darstellerinnen einen Film knackiger machen, wenn man ihren Charakter genau zeichnet. Dass die Found Footage-Nummer später noch einmal auftaucht, spricht mit dem Rec-Zitat für sich und macht Sinn.
Die Dialoge lassen einem manchmal zwar die Haare zu Berge stehen oder liegt es an der schauspielerischen Umsetzung der einfachsten Sätze, doch dies vergisst man schnell, denn nach kurzer Dauer wird eh nur noch geflucht und geschrien. Montag zeigt das Grauen zuerst nur in Unschärfen. Erst spät bekommt man Einblicke in den Familienalltag beim Abendessen. Auch der Einsatz von Tonnen Blut und Gedärm, wie sonst üblich, ist dezent. Einige Ekelmomente schaffen es aber dennoch ins Rampenlicht. Hier wird es köstlich. Auch die Darstellung des Kannibalenkindes ist sehr gelungen. Hier hat man wirklich was Gruseliges erschaffen. Geschminkte Kinder, die verdreckt leise Sätze sprechen, machen wirklich Angst. Gut besetzt und geschrieben. Chapeau!
Montags Humor, wie in der Szene, in der ein Kannibale in der Dunkelheit bei der Verfolgung der Heldin verdutzt nach seiner Taschenlampe in der Innentasche seines Holzfällerhemdes sucht oder der Einsatz einer modernen Kettensäge, ist ansteckend. Man übersieht dann sogar die manchmal unlogischen Schnitte. Weniger ist da manchmal mehr. Auch das Hell und Dunkel der Location ist nicht immer nachvollziehbar. Wo ist oben, wo ist unten? Ist man drinnen oder draußen? Schön sind die vielen Filmzitate. Mein Highlight ist das Shining-Zitat, mit der Axt in der Tür. Cannibal Diner ist ein klassischer Reißer, der von Fans für Fans gemacht wurde und immer sein Limit kennt. Das Ende ist schönes Krickelkrakel. Wunderbar lang wird die Pointe hinausgezögert. So viel Zeit, in der nichts erzählt oder erklärt wird, hat man nur im Lowbudget. Macht Spaß!
Cannibal Diner erscheint am 28.08.2013 auf DVD und Bluray

0 Gedanken zu „Cannibal Diner von Frank W. Montag“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.