Pet Shop Boys – Electric

Eine Frage zuerst: Können die Pet Shop Boys noch besser werden? Müssen sie etwas beweisen? Die Vorzeige-Popper tanzen im Olymp. Sie machen da weiter, wo andere sich zurücklehnen und ihr Geld verprassen. Lowe und Tennant wollen lieber Melodien raushauen; sie wollen wieder Disco mit allem Kitsch. Natürlich so futuristisch-retro wie möglich.
Axis beginnt wie eine 80s-Nummer mit Blitzen und Donner. Danach legen die Pet Shop Boys ihre Sounds auf die Rennbahn einer Faltermeyer-Moroder-Teststrecke und das Yello-Car fährt vorne weg. Stuart Price weiß halt, was 2013 geht und was mal war. Er ist genauso ein Dienstleister für die Boys wie die schwülstigen Chöre, die auf Matrosen machen. Axis ist schon besser als das gesamte Daft Punk-Album Random Access Memoires.
Tolle E-Pianos machen die Stakkato-Melodien, die den Sommer mit all den Handclaps huldigen. Tennant mimt mehr den Sänger als das er einer ist. Seine Stimme wird zum Instrument. So hat das in letzter Zeit auch eigentlich nur Justus Köhncke gemacht. Obskure Melodien springen einen an. Melodiefetzen werden wiederholt. Ist das Fade To Grey?
Bolshy macht die Rakete mitten auf der Tanzfläche. Politisch banal. Electric ist eine Holzhammer-Platte. Sie poltert, sie kratzt an der Spitze zu Übertreibung und Karikatur. Wir Fans sind gezwungen jeden Spleen der Jungs, mit Respekt zu verfolgen. Der Synthie-Pop macht auf dicke Hose. Die Bassdrum zeigt dir den Weg.
Pet Shop Boys
Electric ist ein Gimmick für das Sommerloch. Ein Spektakel auf der Klaviatur des 80s-Pop. Die Pet Shop Boys schieben ein Zwischenalbum ein, dass sie selbst zitiert. Da ist Go West, da sind die It’s A Sin- Fanfaren. Hätte Madonna Stuart Price nicht schon getroffen, sie würde nun ihren Agenten schicken. Electric macht Lust und dennoch weiß man, dass das alles nur das Tor zu einer anderen Zeit der Jungs sein wird. Electric wird nicht in die Top 5 des Duos einsteigen und dennoch ist es irgendwie mutig, so einen Zwischengang zu kredenzen. Manches klingt wie ein klebriger Abstrich, anderes wiederum ist so weit vorne, dass man stolz sein kann, diese Band für sich entdeckt und in sein Herz geschlossen zu haben.
Die Springsteen-Coverversion versöhnt dann den Fan. Zum Mitschreiben: Axis ist geil für ein Mixtape, The Last To Die ist bahnbrechend, Bolshy schön bekloppt und Flourescent eine Dance-Nummer, die den Aufzug nach oben und unten fahren lässt. Vocal ist der Mantra-Rave, der deinen Lebensentwurf rechtfertigt. Musik ist Trumpf. Wann kommt das nächste Album? Electric ist das bekloppte Ibiza, das du dir selbst eingebrockt hast als du die dicken Mädchen mit den Strohhüten am airberlin-Schalter auf deine Finca eingeladen hast. Eine Mischung aus “Peinlich” und “Ich bin der Größte”. Können die Pet Shop Boys noch besser werden? 2013 erstmal nicht.

PET SHOP BOYS – Axis [Official Video] from DAS BUNKER ENTERTAINMENT on Vimeo.

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