Bung'o and Birds, Venus & Apoll Düsseldorf, 03.07.2013

Sven Kacirek und Stefan Schneider besuchten 2011 auf Einladung des Goethe Instituts in Nairobi die kenianische Coast Province, um dort im Dorf Mukunguni dokumetarische Tonaufnahmen der Musik der Mijikenda zu machen. Diese Aufnahmen einer ursprünglichen Musik, die neben Liedern mit therapeutischer Bedeutung auch Tanzstücke umfasst, waren Pionierarbeit. Inzwischen ist aus jenen Aufnahmen eine Veröffentlichung für Liebhaber bei Honest Jons geworden. Während ihres Aufenthaltes in Mukunguni freundeten sich Kacirek und Schneider mit den beiden Musikerkollegen Daniel Mburu und Ali Tungwa an, die sie bald darauf nach Deutschland einluden. Im vergangenen Herbst gastierten Mburu und Tungwa erstmalig in Hamburg. Erste Konzerte folgten. So ungefähr entstand das Projekt Bung’o and Birds.
Bungo_and_Birds
In diesem Jahr nun arbeitete die Band an ihrem ersten Album, deren Aufnahmen in mehrtägiger Arbeit Anfang Juli im „Venus & Apoll“ in Düsseldorf beendet werden konnten. Gewissermaßen als Abschluss ihrer Produktion stellten Bung’o and Birds am 03. Juli 2013 mit einem Konzert Auszüge aus ihrem noch zu veröffentlichenden Album vor. Es sollte ein Abend von besonderem Rang werden.
Neben Schlagzeug und Marimbaphon verteilten sich auf der Bühne zahlreiche traditionelle afrikanische Trommeln, Perkussionsinstrumente und ein Blasinstrument. Diese wurden von allen Bandmitgliedern in wechselnden Besetzungen gespielt. Jedes der Stücke begann mit einfachsten Strukturen, oft mit solierender Perkussion. Doch schon nach für afrikanische Musikstrukturen kurzen Takten, warfen präzise Wechsel und polyrhythmische Verdichtungen die Stimmung in unerwartete sanfte Höhen. Jedes der Stücke war mit vielen Parts bis auf den letzten Takt ausgearbeitet.
Bung’o and Birds gelang es jederzeit ihr Konzept fragiler Verdichtung in einer schwebenden Balance zwischen Einfachheit und Komplexität zu halten, ohne sich an bekannten Crossover-Stil-Ritualen zu orientieren, die üblicherweise entstehen, wenn afrikanische und europäische Musikkultur aufeinandertrifft. Bung’o and Birds musikalische Synthese schafft tatsächlich etwas genuin Eigenständiges und Unerhöhrtes, das ganz und gar nicht mehr in die eine oder andere kontinentale Schublade zu stecken ist, etwas das keine Vorbilder hat, etwas dass weder vom extatisch Traditionellen noch vom rational Elektrifizierten dominiert wird. Der Kanon jener transkontinentalen Musikkapitel hat hier verloren. Am 3. Juli 2013 waren Bung’o and Birds für einen atemberaubenden Konzertabend die beste Band der Welt! Vielleicht war das auch der Grund, waurm ich mich nach dem Konzert genötigt sah, ein Bandplakat zu entwenden.

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