Kanye West – Yeezus

Kanye West überschlägt sich. Er feuert Worte, Drum-Salven, World Music, Industrial und clubbige Synthie-Tonleitern aus der Hüfte. Gitarren werden verfremdet, Störsirenen sind die Riffs, die als Blaupause für übertriebenes Stöhnen und Rappen dienen.
Stimmen werden wieder vocodert und autogetuned, das muss als Popverweis reichen. Refrains werden absichtlich vermieden. Kanye West stolpert durch seinen Soundpark, der ständig wie neu aufgezogen klingt. Die Ruhe zwischen den Tracks ist fast zu kurz. Hektik wird verbreitet. Alles knallt. Alles fetzt. Strophen bleiben Strophen, ohne jemals als Teil zu funktionieren. Manchmal sind sie einfach der Song. Die Idee, die Notiz. Ist das House? Ist das Acid?
Kanye West
Zeitgeist ist Thema, Sklaverei, Religion und Schwarz-Weiß-Liebe. Lange Fanfaren, knallige Schlagzeug-Märsche unterliegen der aufgekratzten Stimme Wests. Samples fallen aus schwarzen Löchern. Wie in einer Zukunft ohne Erinnerungen an wohltuende Bridges oder Hooklines, saust das Album durch die Kanäle. Das Piano kann auch keinen Wohlklang erzeugen. Daft Punk machen bei On Sight und Black Skinhead ihr schlechtes Album wieder wett. Nina Simone versucht dieses Biest zu bekämpfen. Auch sie landet im Dreck. West ist lieber a dick than a swallower. Er wird mit diesem Album anecken, denn der Synthie-Terror ist schon hart. Auch die Helfer wie Kid Cudi, Hudson Mohawke, Frank Ocean, Chief Keef oder Bon Iver’s Justin Vernon ordnen sich unter. Keine Radio-Single im Gepäck.
Einige Fans werden schockiert sein, sich abwenden und wieder Will Smith hören oder die Black Eyed Peas. West geht ohne Rücksicht auf Verluste in die Vollen. Rick Rubin hat sich am Ende nochmals dran gesetzt als West nicht mehr weiter wusste. Auch er konnte dem Album keinen Popstempel mehr aufdrücken. West macht auf Konzept. Fast unhörbar. Mutig.

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