Stellar OM Source – Joy One Mile

Christelle Gualdi hat bei ebay für 25€ einen Roland TB-303 geschossen. Der analoge Bass-Sound des Synthesizers schrie sofort nach Umsetzung. Wie viele Patterns kann man gleichzeitig auf Alarm schalten?
Als Stellar OM Source bedient sich Christelle an 90s Trance, an wilden Double Basses, nassen Claps und frenetischen Raketen, die in die Nacht geblasen werden und wirklich mehr als Rave sind. Die unruhige HiHat trägt zur Dramatik bei, denn nur Gebolze und Gestampfe wären inkonsequent gewesen. Der Groove entsteht immer dann, wenn Gualdi etwas weglässt; wenn die Bassdrum aussetzt, etwas abgemischt wird, wenn sich die HiHat beruhigt und Flächen von den Rändern in die Mitte schwimmen, die man bei dem ganzen Terz aus den Augen verloren hatte.
Stellar OM Source
Eine Stimme verlässt die Erzählebene einer Interview-Situation und wird zur House-Voice, die man so mal von Luomo kannte. Soul, der aus der Kälte kam. Wer kennt noch Moodyman?
Alles passiert live, jede Stimmung kippt aus der Vogelperspektive auf die mit orangefarbenen Hosenträgern bevölkerte Tanzfläche. Vieles wird rhythmisch strukturiert. Die einzelnen Teile der Tracks bekommen frühe Detroit-Stadtpläne in das Schaltprogramm gespeist. Aus einfachem Techno wird Intellektualität. Acid Lines werden gezogen, ganz ohne prollig zu sein. Ekstatische Vibes können sich kritisch mit pumpenden Beats auseinandersetzen. Mal steigert sich ein Track in ungeahnte Höhen, mal franzt er kurz vor dem Höhepunkt aus, so als hätte er die Erlösung nicht verdient, weil er doch so genervt hatte. Joy One Mile ist ein hyperaktives Monster, das in die Jahrescharts gehört. Stark.

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