Beady Eye – BE

Wie viel von Produzent Dave Sitek von TV On The Radio im neuen Beady Eye-Album steckt, ist nur zu erahnen, denn die Songs, die Liam Gallagher schreibt und wie er sie singt, kann auch dieser nicht umstürzen oder anders zaubern. Muss Sitek aber auch nicht. Das erwartet niemand von einer Gallagher-Produktion.
Und dennoch ist BE ein geglückter Wurf, der sehr dicht ist und Beady Eye näher an eine Northern Soul-Band bringt, als es sich einige Oasis-Fans gewünscht haben. BE ist laut, hat ein paar Hits, ist zuweilen sogar transparent psychedelisch und in den ruhigen Momenten altersklug hippieesk oder schwülstig. Gerade die Bläser sind das neue Herzstück der Platte. Da hat wohl Sitek die Finger im Spiel gehabt. Sie begleiten die Songs aufrichtig und warm. So bekommen die typischen Floskeln eines undramatischen Texters, wie Gallagher einer ist, etwas mehr Blut eingepumpt. Soul Love wohin das sonnenbebrillte Auge reicht. Affig over the top.
Beady Eye
Das Liedgut macht sich gut im Radio, im Auto, auf Festivalbühnen. Man reicht dazu Dosenbier, Fish & Chips oder J&B Single Malt Whisky. Alles wie gehabt. Kutte an, Haare schön. Man rockt mit ihnen, man schwoft mit ihnen, man verbrüdert sich mit ihnen und man vermisst heimlich das andere Großmaul. Kann man Beady Eye hören, ohne von Oasis zu sprechen? Wohl kaum.
Das Problem des zweiten Albums muss hier nicht erörtert werden. Es gibt in dieser Größenordnung kein Konzept oder Druck. BE und Different Gear, Still Speeding helfen dem Archivar ein tolle Wiedergabeliste zu erstellen, die spießig Oldschool-Rock als Überschrift trägt und hinter Oasis einzuordnen ist. Dies hätte auch Album fünf sein können. Gallagher nölt seinen Lennon-Schmiss locker aus der Hüfte. Als Fan ist man schnell zufrieden. Ich bin Fan. BE ist solide Kost, die einen nostalgisch werden lässt und Spaß macht. Das nennt man wohl halbe Miete.

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