Future Bible Heroes – Partygoing

Stephin Merritt ist umtriebig und trotzdem faul. Das Touren mag er nicht, die Presse auch nicht und Alben sind für ihn nur ein kurzer Prozess der Archivierung seines Liedgutes, dann denkt er schon wieder in neuen Melodien oder sitzt in Bars rum oder geht mit Schoßhunden Gassi.
Seine Future Bible Heroes lagen sehr lange auf Eis, elf ganze Jahre, doch nach dem letzten Magnetic Fields-Album wurde es mal wieder Zeit, die Indietronic-Pet Shop Boys-Schiene zu bedienen, die er so liebt. Obskure Synthies dengeln, Glockenspiele tirilieren und Drumcomputer husten aus dem letzten Loch. Die Tanzfläche ist der weiße Flokati, den du mit Hausschuhen platt trampelst, während dein Lover nackt Chat-Roulette spielt.

Future Bible Heroes

Leichte Dance-Songs, die so tolle Wendungen haben, dass man entweder an Stephins Lippen hängt oder tränenreich Solotanz vollzieht, schummeln sich in dein Ohr und machen sich als Wurm selbständig. Der Brummbär bleibt ein tapsiger Zyniker und Ex-Moralist
Langzeit-Managerin Claudia Gonson ist an seiner Seite und veredelt mit ihrer glasklaren Stimme die zynischen, wunderhübschen Texte Merritts. Aber die vorgegaukelte Fröhlichkeit, die diese sonnige Musik impliziert wird von der Realität in den Lyrics weggeregnet. Merritt schafft den Spagat zwischen Pop und Drama. Manchmal watscheln die Songs den Broadway hinunter, sind arg trutschig, doch oft sind es Gassenhauer, die so nur Neil Tennant fabriziert. Partygoing ist sogar schlüssiger als das letzte Magnetic Fields-Album. Glatte 1.

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