Tim Neuhaus & The Cabinet – Now

Tim Neuhaus arbeitet blitzsauber. Seine Songs sind durchdacht und mit genügend Pomp ausgestattet, dass aus einer simplen Strophe schon mal ein Mini-Hit entstehen kann. Wie mal eben gemacht.
Instrumente schieben sich nicht mit der Brechstange ins Rampenlicht, sondern entfalten sich fast ganz natürlich. Alles bleibt auf einem warmen, melancholischen Level, so dass sich mit vielen anderen Songwritern um die Krone geprügelt werden kann. Neuhaus nutzt seine stimmlichen Fähigkeiten zusammen mit dem Cabinet voll aus. Harmonisierende Chöre stehen ihm zur Seite, übernehmen das Ruder und lassen austrudeln.
Tim Neuhaus

So entsteht ein Popmusik-Album mit gerader Zielführung. Experimente wie das Auto-Tune und die heraufbeschwörende Perkussion erinnern vage an Pop-Helden wie Phoenix. Das ist alles wohl mit Absicht so passiert. Doch Neuhaus nimmt lieber den Drive raus. Er umspielt lieber eine Melodie ein zweites Mal, als sie stoisch in den Himmel zu transportieren. Vieles perlt leicht schimmernd in der Club-Bar rum, ohne zu stark auf das Sofa oder die Tanzfläche zu schielen. Mehr so für nebenher. Vielleicht für eine Autofahrt. Das Duett “Easy Or Not” holt das Romantikposter von der Wand. Radiohörer werden das Radio manchmal lauter drehen, aber nie vor Euphorie gegen einen Baum knallen. “Now” ist ein schön produziertes Album, das ein wenig mehr Mut verdient gehabt hätte, denn das Werkzeug dazu hat Tim Neuhaus eigentlich.

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