Supermutant – FRVR

Aus Punkrock geboren orientieren sich Supermutant an Sturm und Drang. Helden werden Labelkollegen oder vielleicht sogar Chartskonkurrenten. Der Madsen/Kettcar/Tomte-Nachwuchs wird flügge. Ob den ollen Platzhirschen nun die Düse geht, bleibt abzuwarten.
Die frische Band aus Mönchengladbach beherrscht ihre Instrumente gut und setzt kleine Signale, die sich aber auch immer wieder aus der Umklammerung des Pop befreien können, um innovative Teile oder griffige Slogans unterzubringen. So wird Postpunk ausformuliert und für die Kids in angenehm hörbare Indie-Hits geformt.
Man darf tanzen, pogen oder sich auf Händen tragen lassen. Die kryptische Textgewalt beherrscht die Musik. Das ist manchmal beeindruckend, manchmal aber auch einfach zu viel. Das Schlagzeug setzt sich an die Spitze. Es groovt und begleitet irrwitzige Bridges und Kleinteile. Refrains werden raketenartig aneinandergereiht. Die Songs laufen zu Hymnen auf, mit der Hand an der Bierdose oder in Röhrenjeans vergraben. Die Gitarren, die gekonnt gegenläufig gegniedelt werden, haben genug Dampf und Melodien in den Hälsen. Das Gerüst steht amtlich. Oiro und Turbostaat sind der Gegenpol zu dieser sauberen Produktion. Man muss sich nun entscheiden.
Supermutant wollen ehrlich und authentisch sein. Sie sind fast ein wenig humorlos. Ja, vielleicht sogar zu bierernst, um erst gar nicht in die Peinlichkeitsfalle zu tappen. So bleibt ein Debüt in Erinnerung, das seine Momente hat, aber auch an dem Hang zum Größenwahn scheitern könnte. Vielleicht benutzen Supermutant nicht die Sprache, die die Kids verstehen. Ich weiß nicht. Festzuhalten bleibt, dass Yann Thönnessen ein charmanter Schreihals ist. Den Rest müssen andere bewerten.

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