Grimes – Visions

Manchmal ist man einfach spät dran. Bei dem Veröffentlichungsoverdose eines Jahres fällt allerhand unter den Tisch. Auf Partys wird man dann auf Alben angesprochen, die man gar nicht auf dem Schirm hatte, vielleicht sogar mit anderen verwechselte oder für Humbug hielt. Alle sprechen über Grimes. Wer?
Ich dachte immer die meinen Death Grips. Andere Baustelle. Ganz andere. Muss am Cover liegen. Im März schon erschienen, knöttert Claire Boucher nun auch in meinem Wohnzimmer. Reicht das noch für die persönlichen Jahrescharts? Grimes ist Pop mit Spleen. Süße Meldebögen machen den Hexentanz auf unterfütterten Synthiefiguren. Das Bruce Hornsby-Klavier macht auf asiatisch. Wo sind Samantha Fox und Sabrina hin? Boucher haucht und tänzelt wie Heidi mit Schneeweißli. Vieles ist auf süß getrimmt. Sogar die platschende Snare verschenkt en masse Candy.
Visions passiert im Radio oder in H&M Umkleidekabinen. Kleinmädchen-Singalongs bekommen ein wenig Nebel an die Hand. Das funktioniert. Spielereien werden zu Stil. Boucher wehrt sich nicht gegen Schönklang und das macht sie sehr sympathisch. Alles arbeitet auf den Refrain hin. Auf die Rakete. 4AD-typisch ist das nicht, aber das Kultlabel hat sich eh stark verändert.

Manchmal kommt der Roboter um die Ecke. Unnötig. Die Kleinode sind griffiger und machen nicht so gestählt auf Tanzfläche. Erinnert mich irgendwie an Madonna. Muss wohl am Gesang liegen. Visions ist feine Popmusik, die sich manchmal ein Mäntelchen umhängt, das nicht ganz passt oder zumindest im Ausverkauf stark reduziert wurde. Vielleicht würden Produktionen von Stock Aitken Waterman heute so klingen. Ich übertreibe, ich weiß. Teenie-Pop, der Spaß macht. Mehr aber auch nicht. Ihr könnt weiter reden.

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