Matthew E. White – Big Inner

Bläser begleiten Matthew auf seiner Reise in die Vergangenheit. Wäre er Beck, würde er noch schnell Everybody’s Got to Learn Sometime covern. Aus Wohnzimmer-Soul wird handgemachter Countryversatz, der auch mal psychedelisch glitzern kann. Doch richtigen Country kriegen wir nicht geschenkt. Nur am Rande ist noch ein Roggenkorn. Der Country wird überrannt oder besser noch, weggekifft.

Manchmal klingt das, als würden zwei Alben gelichzeitig laufen. Instrumente erspielen sich wichtige Eckpunkte. Einige Handclaps versprühen Esprits aus den goldenen Siebzigern. Eine Family Affair im Studio deiner Brothers wird zur Liebelei, die in Improvisation endet. Big Love ist ein tanzbares Etwas, das zwar muckt, aber auch den Vibe von Sly Stone und Primal Scream zurückholt. Matthew doppelt seine Stimme. So klingt er noch zerbrechlicher. Eine Mischung aus Aretha Franklin und Will Oldham. Von irgendwoher weht ein Frauenchor herbei. Große Momente werden so klein gehalten, dass es eine Wonne ist. Streicher paaren sich verliebt mit den Bläsern.
Die Songs sind klassische Aufbauten. Die Backingband weiß genau, wann sie zuschlagen muss, um dem Gehuschten etwas Tempo zu geben. Die groovigen Teile kommen wie eine Jam-Session daher. Matthew gießt etwas Wasser auf die Blumen, die sofort nach mehr lechzen. White begibt sich auf eine Reise ins Storytelling. Er legt sich in die Hofauffahrten vergangener Stars. Randy Newman gab seinen Segen. Schöne, altbackene Platte, die sich genüsslich im Retro-Gemucke sudelt, aber trotzdem unfassbar authentisch daherkommt. Im Hintergrund quatschen die Kumpels. Als wäre die Beta Band niemals weg gewesen. Toll.

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