Holly Herndon – Movement

Wie konkret wird Holly Herndon eigentlich? Vieles belässt sie bei Impulsen oder Wellen. Sie schickt angedeutete Percussions in den Äther, die manchmal so brachial zwischen angefixter Weltmusik und Metronom hin und her pendeln.

Terminal klingt nach Arbeitsplatte. Fade dagegen wirft sich mit Housebeat und Stimme auf die Tanzfläche der Kunstakademien der Welt. Herndons Stimme taucht immer wieder auf. Sie verströmt Kälte und Wärme gleichzeitig. Mal wird ausgeatmet, mal ein. Ein Stöhnen wird zu einem Fluss, dann zu einem Strom. Breath lässt sich Zeit. Wie lange kannst du ohne Luft leben? Herndon moduliert sich ein Gesamtkunstwerk, das gerne synthetisch auf Menschlichkeit macht. Was steckt alles in deinem Körper? Was können unsere Ohren einfangen und was senden sie dann an das Gehirn? Herndon spielt mit Räumen, mit Stereo und mit Kombinationen. Klingt anstrengender als es ist.
Movement ist intensiv. Da ist sie wieder diese Stimme, die uns Realität und Popdiskurs vorschlagen will. Wie bei Labelmate Julia Holter klingt der Einsatz der Stimme, wie ein Flashback aus einer vergangenen Zeit. Nur das Herndon sich in der Werkzeugkammer der kunstsinnigen Familie Medici in Florenz aufhält, um dort den Amboss zu küssen und Holter im Musikzimmer am Spinett sitzt und den Rock hochschlägt. Beide Damen sind unfassbar stark. Zwei Alben für die Jahrescharts.

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