Angel Olsen – Half Way Home

Angel Olsen hat die Stimme, die man benötigt, um sich von den anderen Aktricen der Szene abzugrenzen. Manchmal ist es ein Jammern, ein Überbetonen, ein Säuseln oder das Brechen in die Kopfstimme, das sie in Sphären trägt, die man weit weg von Lagerfeuern verortet.
Angel Olsen erinnert dann wage an die Cowboy Junkies oder an Freakwater. Doch Angel hat auch noch Songs im Gepäck, die diese Stimme vertragen können. Songs, die sich nicht um Refrains oder Aufteilungen kümmern. Songs, die ein Gefühl aufbauen, dass dann Wohlwollen oder Unbehagen auslösen kann. Die traurige Grundstimmung lässt graue Wolken aufziehen. Man leidet quasi mit.

©SabrinaRush

Safe In The Wob lässt sich gemütlich Zeit. Eine Storytelling-Nummer von ruhiger Gravität. The Waiting dagegen versprüht fast ein wenig Pop. Das bleibt aber auch die Ausnahme, obwohl Miranda kann da vielleicht noch mit typischer Akzentuierung fürs Spätprogramm gebucht werden. Der Rest benötigt Tagesform. Erst Free erlöst einen so richtig. Hier wird Angel in die 60er katapultiert. Der Schmerz ist fast vergessen. Ein Eis am Stiel schmeckt mit Schmetterlingen im Bauch am besten. Die hat sich Angel hart erarbeitet. Das Ende macht Tiniest Seed wohlig warm. Ein Singalong-Stück zum Schunkeln.
Olsen hat sich noch nicht richtig festgelegt. Wie nah sind Folk und Country beieinander? Der Siebenminüter Lonely Universe gibt vielleicht Antwort. Geschichten werden erzählt. Die Familie scheint ein zentraler Punkt in Olsens’ Leben zu sein. Auch Mutter Erde gehört zum engsten Freundeskreis. Olsen schafft es auch, verqueren Songskizzen ihr Muster aufzudrücken. Ihre Stimme heult noch lange in der Nacht nach. Geheimtipp!

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