Kreidler – Den

Keine Schwenks, kaum Kreisbahnen und auf gar keinen Fall Fahrten durch die Kadenzen großer Schulen der Gegenwart finden noch einen Regisseur. Nur ein leichtes Schlendern auf weichen Linien als sichere Eventualität hat jetzt eine Berechtigung. Es ist ein Schlendern, dass nur im Moment seines Impulses kurz aufflackert, mühelos tänzelt und dich dennoch nicht vom eigentlichen Weg abbringt. Du musst nicht mehr dialogisch denken. Du kannst dich ganz auf dich selbst konzentrieren. Du kommst zur Ruhe. Der Intervall ist so gut wie ausgestorben. Und wenn du ihn noch triffst, dann ist er auf jeden Fall sehr klein. Der Widerspruch jedoch ist groß.
Sein Weg führt immer noch direkt in den Teil der Zukunft, von dem du gar nichts kennst. Das ist zu wenig? Das ist nie zu wenig. Das schränkt dich ein? Niemals! Es gibt immer noch unzählige Möglichkeiten den einen Moment zu verdichten in Rhythmus und Dynamik. Immer noch zu viele für dein ganzes neues Leben in der Zukunft, das du mit neuen Waffen auszustatten weißt. Die Zukunft, die wieder auf Gitarren geritten wird. Die Zukunft, deren Effekte noch keiner kennt. Die Zukunft, in der das Erzählen von Geschichten zu einfach geworden sein wird. Und zu alt. Niemand wird es vermissen.
Die von Kreidler mit „Mosaik 2014“ und „Tank“ in den letzten Jahren vertiefte Umdeutung von Modernität und Technologie erreicht mit „Den“ einen neuen Höhepunkt. Es ist ein zumindest vorläufiger neuer Höhepunkt von Abstraktion. Die Motivik der Tracks ist statischer und indifferenter als auf den beiden Vorgänger-Alben, somit noch unangreifbarer geworden. „Den“ mag aufs erste Hören schwerer zu erschließen sein. Auf lange Sicht jedenfalls wird es sich mit Leichtigkeit bewähren.
“Den” ist am 05. Oktober 2012 bei Bureau B. erschienen.

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