Tame Impala – Lonerism

Dave Fridmann sitzt im Abhörraum. Was soll er denn anderes machen, als noch mal alles durch Amps zu jagen? Er, der Experte für den Psycho-Rock der letzten zwanzig Jahre, weiß doch hoffentlich, was zu tun ist, um diese Produktion aus der Ästhetik der Kopie zu holen.
Kevin Parker hat jeden Ton vorbereitet. Jeden Effekt berechnet, jeden Charme versprüht. Jedes Break gesichtet. Er hat alle Akkorde der Beatles in eine Lotteriebox gesteckt. Tiefenentspannt zieht er lässig einige Noten heraus. Bis zur Bridge schafft er es, dann muss er wechseln und greift in das Töpfchen mit der Aufschrift Beach/Grateful/Lips.
Tame Impala ist ein Höllenritt gelungen, der an den Nerven zerrt. Lennon spukt ziemlich herum. Bekiffte Trübsalblaser dancen die Zeiten weg. Wir schreiben das Jahr 2012, doch Parker schenkt uns Wasserfälle aus Blubberwasser der Vergangenheit. Und die rauschen, was das Zeug hält.
Manches stinkt leicht verbrannt, manches ist zu blumig. Das Schlagzeug kommt von der Soft Bulletin-Produktion. Muss da irgendwo noch rumgestanden haben. Parker singt Zeilen aus Poesie-Alben. Heute allein, morgen zu zweit.
Tolle Platte, die immer dann funktioniert, wenn das zweite Bier aus dem Kühli geholt wird. Immer dann, wenn man nicht nach Vergleichen sucht. Immer dann, wenn Revolver nicht auf dem Teller liegt. Immer dann, wenn Sgt. Pepper das Salz entdeckt. Immer dann, wenn die Hippie-Mädchen mit dem Nacktbaden beginnen. Immer dann, wenn der Joint am Heißesten ist.
Vieles von dem wirst du nie erleben. Vielleicht also auch dieses Album nie begreifen. Lass es liegen und probiere es in zwanzig Jahren noch einmal. Macht Platz für den Klassiker-Stempel. P.S. Dieses Album ist völlig ohne Yoko Ono.

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